80 %: Eine umstrittene Zielvorgabe, Dementis und Kritik

01.04.2026 Wieder einmal hat Merz etwas gesagt... Nach heftiger Kritik an 80%-Ziel sieht Merz sich zu einer Rechtfertigung gezwungen. Während er die Zahl noch einmal Al-Scharaa zuschreibt, verweist dieser auf Merz als Urheber.

"Die Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren hat der syrische Präsident genannt. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst." (ZDF)

"Ich habe das nicht gesagt", sagte Al-Scharaa auf einem Podium des Thinktanks Chatham House. "Andere haben das gesagt, der deutsche Kanzler hat das gesagt"... (Zeit)

Die Wellen schlagen hoch. Hat Merz nicht mit solchem Rückhalt für die aus Syrien Geflüchteten gerechnet? Die Kritik - auch aus den eigenen Reihen - wird verbunden mit Fakten und Zahlen, die von der guten Eingebundenheit der ehemaligen Schutzsuchenden in Deutschland einerseits und von der unsicheren Lage in Syrien und der Schwierigkeit einer massenhaften Aufnahme zeugen. Wieder einmal bereitet Merz der AfD Freude...

Im Folgenden Medienberichte und eine Analyse aus den News von Pro Asyl:

 

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte seine viel diskutierte Äußerung über die Ausreise von Syrern dem syrischen Übergangspräsidenten zugeschrieben. Dieser weist das zurück.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach seiner umstrittenen Äußerung, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer binnen dreier Jahre in ihr Heimatland zurückkehren sollten, diese dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa zugeschrieben. Nun sagte Al-Scharaa bei einer Veranstaltung in Großbritannien, die Zahl stamme nicht von ihm.

"Ich habe das nicht gesagt", sagte Al-Scharaa auf einem Podium des Thinktanks Chatham House. "Andere haben das gesagt, der deutsche Kanzler hat das gesagt", sagte Al-Scharaa. Die Rückkehr der Geflüchteten stehe in direkter Verbindung mit dem Wiederaufbau Syriens. Syrien sei den europäischen Ländern dankbar für die Aufnahme der Menschen. "Wir sollten sie nicht einfach in Flugzeuge setzen", sagte Al-Scharaa. Dieser Prozess müsse gut gesteuert werden.

"Es ist nicht leicht, von null anzufangen"

Geflüchtete hätten ein Recht darauf, freiwillig und in Würde zurückzukehren, sagte Al-Scharaa. Die Menschen hätten ein neues Leben in Deutschland begonnen, mit Familien und Verpflichtungen. "Also ist es für sie nicht leicht, von null anzufangen." Dies müsse logisch geplant werden, ergänzte Al-Scharaa. Er sprach davon, dass die syrische Regierung mit Investitionen großer Firmen den Wiederaufbau vorantreiben und Jobs schaffen wolle.

Beim Besuch Al-Scharaas im Kanzleramt in Berlin hatte Merz am Montag wörtlich gesagt: "In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das sind auch, ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren." Es wurde danach davon ausgegangen, dass Merz die Forderung des syrischen Übergangspräsidenten teile.

Merz hatte weiter ausgeführt, dass sich mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad und dem Ende des Bürgerkriegs in Syrien die Situation "grundlegend verbessert" habe, weshalb Schutzbedarfe "neu bewertet" werden müssten. Wer keinen Anspruch mehr auf einen Aufenthalt in Deutschland habe, werde Deutschland verlassen müssen. Die Äußerungen waren in seiner eigenen Partei und bei SPD und Grünen auf Kritik gestoßen.

Deutschland und Syrien hatten bei dem Treffen einen gemeinsamen Aktionsplan für die künftige Zusammenarbeit vereinbart. Derzeit leben mehr als 900.000 syrische Geflüchtete in Deutschland. Während des Bürgerkriegs in Syrien hatten rund eine Million Menschen aus Syrien in Deutschland Zuflucht gesucht, die meisten von ihnen trafen 2015 und 2016 ein.

 

Die Äußerung von Kanzler Merz zur Rückkehr von Geflüchteten aus Syrien schlägt hohe Wellen. Kritik kommt von der Opposition – aber auch aus der SPD und der CDU. Merz reagiert: Man habe eine Äußerung des syrischen Präsidenten "zur Kenntnis genommen".

Die Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz zur Rückkehr von Geflüchteten aus Syrien stößt auf breite Kritik. Der CDU-Politiker hatte beim Besuch von Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa am Montag in Berlin gesagt, in den kommenden drei Jahren sollten 80 Prozent der 900.000 Syrer in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren. Das sei "der Wunsch von Präsident al-Scharaa".

Merz ergänzt seine Aussage vom Montag

Am Dienstag äußerte sich Merz noch einmal zu seiner Aussage vom Montag, wonach 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer binnen drei Jahren in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Diese Angabe gehe auf den syrischen Präsidenten zurück, so Merz. "Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst", ergänzte er.

Amtsberg: "Nicht nur realitätsfern, sondern zynisch"

Die Aussage, wonach 80 Prozent in den kommenden drei Jahren zurückkehren sollten, sei "nicht nur realitätsfern, sondern zynisch", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Amtsberg, Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss zu Syrien und Nahost, bezeichnete den Auftritt des Kanzlers als "beschämend".

"Wer solche Zahlen in den Raum stellt, ignoriert nicht nur die fragile Sicherheitslage in Syrien, sondern auch die Tatsache, dass viele syrische Geflüchtete längst Teil unserer Gesellschaft sind", so Amtsberg. Der "Rheinischen Post" sagte sie: "Damit verunsichert er Hunderttausende Deutsch-Syrer, die den Eindruck erhalten, dass sie in den kommenden Jahren Deutschland wieder verlassen müssen."

Die Linken-Abgeordnete Clara Bünger sagte der "Rheinischen Post", Merz' Aussage sende an Hunderttausende Menschen die Botschaft, dass sie in Deutschland nicht willkommen seien. "Das befeuert die Massendeportationsfantasien der AfD, widerspricht jedem Menschenverstand und ist brandgefährlich." Merz werde damit "zum Brandbeschleuniger in einer Gesellschaft, in der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ohnehin immer stärker unter Druck geraten".

SPD-Politikerin Rehlinger: "Keine kluge Idee"

Kritik kam auch von der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Anke Rehlinger: "Es ist keine kluge Idee des Bundeskanzlers, konkrete Zahlen in konkreten Zeiträumen in den Raum zu stellen", sagte die saarländische Ministerpräsidentin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Denn das wecke Erwartungen, "die er womöglich nicht einhalten kann".

Unterschiedliche Signale aus der CDU

Auch aus der CDU wurde Kritik laut. "Das Signal solcher Zahlen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch", sagte CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter dem "Handelsblatt". Es sei innenpolitisch ungünstig, hohe Erwartungshaltungen zu wecken, auf die rechtspopulistische Parteien dann zurückgreifen könnten.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) stellte sich dagegen grundsätzlich hinter Merz. Das, was der Bundeskanzler sage, sei "natürlich Ziel der Bundesregierung", antwortete der CDU-Politiker am Rande eines Besuches in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf eine entsprechende Reporterfrage.

AfD: Rückführung "überfällig"

AfD-Chefin Alice Weidel kritisierte ihrerseits die genannte Zahl als unzureichend. Die Rückführung syrischer Geflüchteter sei seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad "überfällig", sagte Weidel dem Nachrichtenportal "The Pioneer". Sie forderte Maßnahmen für alle in Deutschland lebenden Syrer.

Zugleich äußerte Weidel aber Zweifel an der Umsetzbarkeit der Pläne. Denn Merz' Koalitionspartner SPD werde sich gemeinsam mit einer "Migrationslobby" und "weiten Teilen der Medien" gegen eine massenhafte Rückführung stellen.

Krankenhausgesellschaft betont Bedeutung für Gesundheitssystem

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wies darauf hin, dass syrische Ärzte die größte Gruppe unter den ausländischen Ärzten in Deutschland bildeten. "Sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung", sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Henriette Neumeyer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ende 2024 hätten 5.745 syrische Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern gearbeitet.

Auch in der Krankenpflege seien syrische Fachkräfte von größter Bedeutung. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft gehe von mehr als 2.000 syrischen Pflegekräften in deutschen Krankenhäusern aus. "Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgung", so Neumeyer. "Eine Rückkehr zu forcieren, wäre aus Sicht der Gesundheitsversorgung nicht produktiv."

Nahles: Syrische Geflüchtete "gut in den Arbeitsmarkt integriert"

Ähnlich äußerte sich die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles: "Wir finden eigentlich aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit, dass sich die syrischen Geflüchteten gut in den Arbeitsmarkt integriert haben." Syrische Staatsangehörige arbeiteten vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel und in der Logistik. "Das sind durchaus Branchen, die Arbeitskräftebedarf offensichtlich durchaus auch haben", sagte Nahles.

Insgesamt sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit derzeit 320.000 Syrerinnen und Syrer sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt – sie leisten mit ihrer Arbeit also auch Beiträge etwa für die Renten- oder Arbeitslosenversicherung.

 

Am 30. März 2026 sendet Bundeskanzler Merz an rund 900.000 in Deutschland lebende Syrer*innen eine Botschaft, die im Klartext lautet: »Geht! Und zwar 80 Prozent von euch und innerhalb der nächsten drei Jahre.« Aus solchem Wunschdenken werden Luftschlösser gebaut, nicht aber ein sicheres Syrien.

Auch über ein Jahr nach dem Sturz des Dik­ta­tors Bas­har al-Assad und der Über­nah­me durch den Inte­rims­prä­si­den­ten Ahmed al-Sha­raa (auch bekannt als al-Dscho­la­ni) bleibt die huma­ni­tä­re Situa­ti­on, die poli­ti­sche Sta­bi­li­tät und die Sicher­heits­la­ge in Syri­en äußerst angespannt.

Prekäre humanitäre Lage in allen Lebensbereichen

Mehr als 13 Jah­re Bür­ger­krieg haben die zivi­le Infra­struk­tur in wei­ten Tei­len des Lan­des zer­stört. Der Bevöl­ke­rung man­gelt es bis heu­te an grund­le­gen­den Dienst­leis­tun­gen wie Wohn­raum, Gesund­heits­ver­sor­gung, Elek­tri­zi­tät, Bil­dung, öffent­li­cher Trans­port sowie Was­ser- und Sani­tär­ver­sor­gung. Zusätz­lich ver­schär­fen gegen­wär­tig schwe­re Treib­stoff­eng­päs­se und wei­ter stei­gen­de Lebens­mit­tel­prei­se die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on vie­ler Haus­hal­te. Der durch­schnitt­li­che Lohn deckt nur etwa ein Drit­tel des Grund­be­darfs ab.

Zwar haben im Jahr 2025 die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sowie die Euro­päi­sche Uni­on weit­rei­chen­de Wirt­schafts­sank­tio­nen gegen Syri­en auf­ge­ho­ben, die das Land zuvor weit­ge­hend vom inter­na­tio­na­len Ban­ken­sys­tem und der glo­ba­len Wirt­schaft iso­liert hat­ten. Aber die sozio­öko­no­mi­sche Lage der Bevöl­ke­rung bleibt wei­ter­hin pre­kär. Im Jahr 2025 leb­ten mehr als 90 Pro­zent der Bevöl­ke­rung unter­halb der Armuts­gren­ze und mit rund 16,5 Mil­lio­nen Men­schen ist ein erheb­li­cher Teil wei­ter­hin auf huma­ni­tä­re Hil­fe ange­wie­sen. Dar­über hin­aus haben etwa 14,56 Mil­lio­nen Men­schen Schwie­rig­kei­ten, aus­rei­chend Nah­rung zu erhalten.

Mehr als 13 Jah­re Bür­ger­krieg haben die zivi­le Infra­struk­tur in wei­ten Tei­len des Lan­des zerstört.

Trotz des hohen Bedarfs bleibt die Finan­zie­rung inter­na­tio­na­ler huma­ni­tä­rer Hil­fe unzu­rei­chend. Nach Anga­ben des United Nati­ons High Com­mis­sio­ner for Refu­gees stan­den bis Sep­tem­ber 2025 ledig­lich 24 Pro­zent der eigent­lich benö­tig­ten Mit­tel zur Verfügung.

Die Fol­gen des Kon­flikts zei­gen sich auch im Woh­nungs­sek­tor. Allein im Gou­ver­ne­ment Homs wer­den etwa 35.000 zer­stör­te Häu­ser geschätzt. Für vie­le Rückkehrer*innen sowie ihren Fami­li­en ist es daher äußerst schwie­rig, ange­mes­se­nen Wohn­raum zu fin­den. Gleich­zei­tig sind die Miet­prei­se in unzer­stör­ten Stadt­tei­len häu­fig so hoch, dass sie für gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung uner­schwing­lich sind. Die Kom­bi­na­ti­on aus Wohn­raum­man­gel, stei­gen­den Miet­prei­sen sowie fort­be­stehen­den sek­tie­re­ri­schen Span­nun­gen und ver­än­der­ten Macht­ver­hält­nis­sen hat in Homs zudem zu einer Wel­le von Ent­eig­nun­gen und Ver­let­zun­gen von Wohn­rech­ten geführt.

Millionenfache Flüchtlinge im In- und Ausland

Infol­ge des Bür­ger­kriegs wur­den Mil­lio­nen Syrer*innen ver­trie­ben. Nach dem Sturz Assads im Dezem­ber 2024 bis Dezem­ber 2025 sind rund 1.07 Mil­lio­nen syri­sche Geflüch­te­te aus dem Aus­land in ihre Her­kunfts­ge­bie­te zurück­ge­kehrt. Rund 3,7 Mil­lio­nen befin­den sich mit Stand von Mit­te März 2026 wei­ter­hin im Ausland.

Im Inland kehr­ten in einem Jahr nach dem Sturz Assads schät­zungs­wei­se 1,91 Mil­lio­nen Bin­nen­flücht­lin­ge in ihre Hei­mat­re­gio­nen zurück. Die wich­tigs­ten Ziel­re­gio­nen die­ser Rück­kehr­be­we­gun­gen sind das Gou­ver­ne­ment Damas­kus sowie Alep­po, Idlib, Homs und das Umland von Damaskus.

5 Mio. Bin­nen­ver­trie­be­ne gab es Anfang 2026 immer noch in Syrien

Gleich­zei­tig fin­den wei­ter­hin umfang­rei­che Bin­nen­ver­trei­bun­gen statt – bei­spiels­wei­se nach den Mas­sa­kern in Suwei­da im Juli 2025, bei denen rund 200.000 Men­schen ver­trie­ben wur­den und bei den Kämp­fen in Nord­ost-Syri­en, bei denen an nur einem Tag im Janu­ar 2026 rund 146.000 Tau­send Men­schen ver­trie­ben wurden.

Ins­ge­samt leb­ten Anfang 2026 mehr als fünf Mil­lio­nen Bin­nen­ver­trie­be­ne im länd­li­chen Syri­en, ver­teilt auf mehr als 1.500 Lager und infor­mel­le Siedlungen.

Keine garantierte Sicherheit für Rückkehrer*innen

Ins­be­son­de­re für Men­schen aus länd­lich gele­ge­nen Hei­mat­re­gio­nen kann eine Rück­kehr auf­grund der mate­ri­el­len Hin­ter­las­sen­schaf­ten des Krie­ges lebens­ge­fähr­lich wer­den. Bereits in dem Zeit­raum Dezem­ber 2024 bis Dezem­ber 2025 führ­ten wegen nicht geräum­ter Land­mi­nen oder nicht explo­dier­ter Muni­tio­nen unko­or­di­nier­te und teil­wei­se spon­ta­ne Rück­kehr­be­we­gun­gen zu 1.022 Ver­letz­ten und 590 Toten.

Mehr als ein Jahr nach dem Sturz Assads exis­tiert wei­ter­hin kein umfas­sen­der natio­na­ler Plan, der die Sicher­heit von Rückkehrer*innen zum Bei­spiel vor sol­chen Gefah­ren gewähr­leis­tet. Zudem ist der­zeit damit zu rech­nen, dass der sich aus­wei­ten­de Iran-Krieg kurz­fris­tig neue Flucht­be­we­gun­gen auslösen:

Am 28. Febru­ar 2026 führ­ten gemein­sa­me Luft­an­grif­fe der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Isra­els auf die Isla­mi­sche Repu­blik Iran zu einer mili­tä­ri­schen Eska­la­ti­on in der Regi­on. Die dar­auf fol­gen­den Gegen­an­grif­fe Irans wei­te­ten die mili­tä­ri­sche Kon­fron­ta­ti­on auf wei­te­re Staa­ten der Regi­on. Aus dem Liba­non ver­zeich­net Syri­en ab dem 2. März daher einen deut­li­chen Anstieg von Ein­rei­sen. Allein in den ers­ten fünf Tagen über­quer­ten mehr als 65.000 Per­so­nen – über­wie­gend syri­sche, aber auch liba­ne­si­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge – die Grenz­über­gän­ge nach Syri­en, im gesam­ten März waren es 202.477 Per­so­nen. Die häu­figs­ten Ziel­or­te Ar-Raq­qa, Damas­kus und Homs ste­hen dadurch unter wach­sen­dem Druck. Die

IOM-Gene­ral­di­rek­to­rin Amy Pope warnt vor einer noch »weit­aus grö­ße­ren Ver­trei­bungs­kri­se«, die die loka­len Kapa­zi­tä­ten über­las­ten und neue Bin­nen­ver­trei­bun­gen aus­lö­sen kann.

Ange­sichts der insta­bi­len huma­ni­tä­ren Lage, die auch das Aus­wär­ti­ge Amt als »vola­til« bezeich­net, warnt PRO ASYL vor Abschie­bun­gen nach Syrien

 

Ange­sichts der insta­bi­len huma­ni­tä­ren Lage, die auch das Aus­wär­ti­ge Amt als »vola­til« bezeich­net, warnt PRO ASYL vor Abschie­bun­gen nach Syri­en und for­dert stattdessen:

  1. Einen sofor­ti­gen und unein­ge­schränk­ten Abschie­be­stopp nach
  2. Kei­ne Ableh­nun­gen im Asyl­ver­fah­ren von syri­schen Schutz­su­chen­den und min­des­tens Schutz für Ange­hö­ri­ge von Minderheiten.
  3. Kei­ne Wider­rufs­ver­fah­ren, solan­ge Unter­drü­ckung, Gewalt und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen anhalten.
  4. Kei­ne poli­ti­sche Nor­ma­li­sie­rung oder diplo­ma­ti­sche Auf­wer­tung von Akteu­ren, die für schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­ant­wort­lich sind.
  5. Eine Syri­en­po­li­tik, die sich nicht an kurz­fris­ti­ger migra­ti­ons­po­li­ti­scher Abschre­ckung, son­dern an Men­schen­rech­ten, Schutz und einer rea­lis­ti­schen Ein­schät­zung der Sicher­heits­la­ge in Syri­en orientiert.
  6. Eine ver­ant­wor­tungs­vol­le und den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt stär­ken­de Inte­gra­ti­ons­po­li­tik. Men­schen, die vor Jah­ren einem bru­ta­len Bür­ger­krieg ent­flo­hen und längst Teil der deut­schen Gesell­schaft gewor­den sind, müs­sen als gleich­wer­ti­ge Bürger*innen behan­delt wer­den, anstatt sie immer wie­der mit Rück­kehr­for­de­run­gen auszugrenzen.

 

Für die Aussage, dass 80 Prozent der Syrer in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren sollen, muss Kanzler Merz Kritik einstecken. Der Koalitionspartner SPD hält solche Zielmarken für "keine kluge Idee", andere nennen sie "beschämend".

Die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zur Rückkehr der in Deutschland lebenden Syrer stoßen auf Kritik - auch beim Koalitionspartner SPD. "Es ist keine kluge Idee des Bundeskanzlers, konkrete Zahlen in konkreten Zeiträumen in den Raum zu stellen, weil das Erwartungen weckt, die er womöglich nicht einhalten kann", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Merz hatte nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt als Zielmarke genannt, dass in den nächsten drei Jahren 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Der Kanzler fügte hinzu, dass sich al-Scharaa dies wünsche. Merz sagte, dass der Bürgerkrieg in Syrien zu Ende sei und es grundsätzlich die Perspektive zur Rückkehr gebe.

Einen Tag nach dem Treffen stellte Merz klar, dass die Zielmarke von 80 Prozent auf al-Scharaa zurückgehe. "Die Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren hat der syrische Präsident genannt. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst", teilte Merz mit. Aus Regierungskreisen hieß es ergänzend, es sei grundsätzlich eine gute Nachricht, dass Syrerinnen und Syrer, die ihr Land wegen des Bürgerkriegs verlassen haben, wieder in ihre Heimat zurückkehrten und beginnen würden, diese wieder aufzubauen.

"Nicht selten sogar deutsche Staatsbürger geworden"

Rehlinger wies darauf hin, dass viele Syrerinnen und Syrer in Deutschland gut integriert seien und "in Mangelberufen arbeiten, alte Menschen pflegen oder Bus fahren, und nicht selten sogar deutsche Staatsbürger geworden sind".

Auch der Kanzler hatte betont, gut integrierte Syrerinnen und Syrer, die etwa als Ärzte oder Pflegepersonal arbeiten, sollten in Deutschland bleiben dürfen. Viele würden jedoch beim Wiederaufbau in ihrer Heimat gebraucht.

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Migrationsforscher hält Zielmarke für unrealistisch

Der Konstanzer Migrationsforscher Daniel Thym hält die von Merz genannte Zielmarke für völlig unrealistisch. "Solch hohe Rückkehrzahlen dürften sich als Illusion erweisen und selbst im Wege der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein", sagte er dem Handelsblatt. Bislang seien nur wenige Tausend Syrer freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Es bleibe unklar, warum sich dies grundlegend ändern sollte. Das gelte auch für zwangsweise Abschiebungen.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg, Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss zu Syrien und Nahost, bezeichnete den Auftritt des Kanzlers als "beschämend". Merz verunsichere "Hunderttausende Deutsch-Syrer, die den Eindruck erhalten, dass sie in den kommenden Jahren Deutschland wieder verlassen müssen“, so Amtsberg in der Rheinischen Post.