01.04.2026 Wieder einmal hat Merz etwas gesagt... Nach heftiger Kritik an 80%-Ziel sieht Merz sich zu einer Rechtfertigung gezwungen. Während er die Zahl noch einmal Al-Scharaa zuschreibt, verweist dieser auf Merz als Urheber.
"Die Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren hat der syrische Präsident genannt. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst." (ZDF)
"Ich habe das nicht gesagt", sagte Al-Scharaa auf einem Podium des Thinktanks Chatham House. "Andere haben das gesagt, der deutsche Kanzler hat das gesagt"... (Zeit)
Die Wellen schlagen hoch. Hat Merz nicht mit solchem Rückhalt für die aus Syrien Geflüchteten gerechnet? Die Kritik - auch aus den eigenen Reihen - wird verbunden mit Fakten und Zahlen, die von der guten Eingebundenheit der ehemaligen Schutzsuchenden in Deutschland einerseits und von der unsicheren Lage in Syrien und der Schwierigkeit einer massenhaften Aufnahme zeugen. Wieder einmal bereitet Merz der AfD Freude...
Im Folgenden Medienberichte und eine Analyse aus den News von Pro Asyl:
- Zeit 01.04.2026 Syrer in Deutschland: Al-Scharaa dementiert angestrebte Rückkehrquote von 80 Prozent
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte seine viel diskutierte Äußerung über die Ausreise von Syrern dem syrischen Übergangspräsidenten zugeschrieben. Dieser weist das zurück.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat nach seiner umstrittenen Äußerung, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer binnen dreier Jahre in ihr Heimatland zurückkehren sollten, diese dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa zugeschrieben. Nun sagte Al-Scharaa bei einer Veranstaltung in Großbritannien, die Zahl stamme nicht von ihm.
"Ich habe das nicht gesagt", sagte Al-Scharaa auf einem Podium des Thinktanks Chatham House. "Andere haben das gesagt, der deutsche Kanzler hat das gesagt", sagte Al-Scharaa. Die Rückkehr der Geflüchteten stehe in direkter Verbindung mit dem Wiederaufbau Syriens. Syrien sei den europäischen Ländern dankbar für die Aufnahme der Menschen. "Wir sollten sie nicht einfach in Flugzeuge setzen", sagte Al-Scharaa. Dieser Prozess müsse gut gesteuert werden.
"Es ist nicht leicht, von null anzufangen"
Geflüchtete hätten ein Recht darauf, freiwillig und in Würde zurückzukehren, sagte Al-Scharaa. Die Menschen hätten ein neues Leben in Deutschland begonnen, mit Familien und Verpflichtungen. "Also ist es für sie nicht leicht, von null anzufangen." Dies müsse logisch geplant werden, ergänzte Al-Scharaa. Er sprach davon, dass die syrische Regierung mit Investitionen großer Firmen den Wiederaufbau vorantreiben und Jobs schaffen wolle.
Beim Besuch Al-Scharaas im Kanzleramt in Berlin hatte Merz am Montag wörtlich gesagt: "In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das sind auch, ist der Wunsch von Präsident Scharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren." Es wurde danach davon ausgegangen, dass Merz die Forderung des syrischen Übergangspräsidenten teile.
Merz hatte weiter ausgeführt, dass sich mehr als ein Jahr nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad und dem Ende des Bürgerkriegs in Syrien die Situation "grundlegend verbessert" habe, weshalb Schutzbedarfe "neu bewertet" werden müssten. Wer keinen Anspruch mehr auf einen Aufenthalt in Deutschland habe, werde Deutschland verlassen müssen. Die Äußerungen waren in seiner eigenen Partei und bei SPD und Grünen auf Kritik gestoßen.
Deutschland und Syrien hatten bei dem Treffen einen gemeinsamen Aktionsplan für die künftige Zusammenarbeit vereinbart. Derzeit leben mehr als 900.000 syrische Geflüchtete in Deutschland. Während des Bürgerkriegs in Syrien hatten rund eine Million Menschen aus Syrien in Deutschland Zuflucht gesucht, die meisten von ihnen trafen 2015 und 2016 ein.
- BR24 31.03.2026 "Beschämend": Viel Kritik an Merz-Äußerung zu Syrern
Die Äußerung von Kanzler Merz zur Rückkehr von Geflüchteten aus Syrien schlägt hohe Wellen. Kritik kommt von der Opposition – aber auch aus der SPD und der CDU. Merz reagiert: Man habe eine Äußerung des syrischen Präsidenten "zur Kenntnis genommen".
Die Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz zur Rückkehr von Geflüchteten aus Syrien stößt auf breite Kritik. Der CDU-Politiker hatte beim Besuch von Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa am Montag in Berlin gesagt, in den kommenden drei Jahren sollten 80 Prozent der 900.000 Syrer in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren. Das sei "der Wunsch von Präsident al-Scharaa".
Merz ergänzt seine Aussage vom Montag
Am Dienstag äußerte sich Merz noch einmal zu seiner Aussage vom Montag, wonach 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer binnen drei Jahren in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Diese Angabe gehe auf den syrischen Präsidenten zurück, so Merz. "Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst", ergänzte er.
Amtsberg: "Nicht nur realitätsfern, sondern zynisch"
Die Aussage, wonach 80 Prozent in den kommenden drei Jahren zurückkehren sollten, sei "nicht nur realitätsfern, sondern zynisch", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Amtsberg, Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss zu Syrien und Nahost, bezeichnete den Auftritt des Kanzlers als "beschämend".
"Wer solche Zahlen in den Raum stellt, ignoriert nicht nur die fragile Sicherheitslage in Syrien, sondern auch die Tatsache, dass viele syrische Geflüchtete längst Teil unserer Gesellschaft sind", so Amtsberg. Der "Rheinischen Post" sagte sie: "Damit verunsichert er Hunderttausende Deutsch-Syrer, die den Eindruck erhalten, dass sie in den kommenden Jahren Deutschland wieder verlassen müssen."
Die Linken-Abgeordnete Clara Bünger sagte der "Rheinischen Post", Merz' Aussage sende an Hunderttausende Menschen die Botschaft, dass sie in Deutschland nicht willkommen seien. "Das befeuert die Massendeportationsfantasien der AfD, widerspricht jedem Menschenverstand und ist brandgefährlich." Merz werde damit "zum Brandbeschleuniger in einer Gesellschaft, in der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ohnehin immer stärker unter Druck geraten".
SPD-Politikerin Rehlinger: "Keine kluge Idee"
Kritik kam auch von der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Anke Rehlinger: "Es ist keine kluge Idee des Bundeskanzlers, konkrete Zahlen in konkreten Zeiträumen in den Raum zu stellen", sagte die saarländische Ministerpräsidentin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Denn das wecke Erwartungen, "die er womöglich nicht einhalten kann".
Unterschiedliche Signale aus der CDU
Auch aus der CDU wurde Kritik laut. "Das Signal solcher Zahlen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch", sagte CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter dem "Handelsblatt". Es sei innenpolitisch ungünstig, hohe Erwartungshaltungen zu wecken, auf die rechtspopulistische Parteien dann zurückgreifen könnten.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) stellte sich dagegen grundsätzlich hinter Merz. Das, was der Bundeskanzler sage, sei "natürlich Ziel der Bundesregierung", antwortete der CDU-Politiker am Rande eines Besuches in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf eine entsprechende Reporterfrage.
AfD: Rückführung "überfällig"
AfD-Chefin Alice Weidel kritisierte ihrerseits die genannte Zahl als unzureichend. Die Rückführung syrischer Geflüchteter sei seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad "überfällig", sagte Weidel dem Nachrichtenportal "The Pioneer". Sie forderte Maßnahmen für alle in Deutschland lebenden Syrer.
Zugleich äußerte Weidel aber Zweifel an der Umsetzbarkeit der Pläne. Denn Merz' Koalitionspartner SPD werde sich gemeinsam mit einer "Migrationslobby" und "weiten Teilen der Medien" gegen eine massenhafte Rückführung stellen.
Krankenhausgesellschaft betont Bedeutung für Gesundheitssystem
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wies darauf hin, dass syrische Ärzte die größte Gruppe unter den ausländischen Ärzten in Deutschland bildeten. "Sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung", sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Henriette Neumeyer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ende 2024 hätten 5.745 syrische Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern gearbeitet.
Auch in der Krankenpflege seien syrische Fachkräfte von größter Bedeutung. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft gehe von mehr als 2.000 syrischen Pflegekräften in deutschen Krankenhäusern aus. "Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgung", so Neumeyer. "Eine Rückkehr zu forcieren, wäre aus Sicht der Gesundheitsversorgung nicht produktiv."
Nahles: Syrische Geflüchtete "gut in den Arbeitsmarkt integriert"
Ähnlich äußerte sich die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles: "Wir finden eigentlich aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit, dass sich die syrischen Geflüchteten gut in den Arbeitsmarkt integriert haben." Syrische Staatsangehörige arbeiteten vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel und in der Logistik. "Das sind durchaus Branchen, die Arbeitskräftebedarf offensichtlich durchaus auch haben", sagte Nahles.
Insgesamt sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit derzeit 320.000 Syrerinnen und Syrer sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt – sie leisten mit ihrer Arbeit also auch Beiträge etwa für die Renten- oder Arbeitslosenversicherung.
- Aus den News von Pro Asyl 31.03.2026 Merz’ Syrien-Fantasie und die brutale Realität
Am 30. März 2026 sendet Bundeskanzler Merz an rund 900.000 in Deutschland lebende Syrer*innen eine Botschaft, die im Klartext lautet: »Geht! Und zwar 80 Prozent von euch und innerhalb der nächsten drei Jahre.« Aus solchem Wunschdenken werden Luftschlösser gebaut, nicht aber ein sicheres Syrien.
Auch über ein Jahr nach dem Sturz des Diktators Bashar al-Assad und der Übernahme durch den Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa (auch bekannt als al-Dscholani) bleibt die humanitäre Situation, die politische Stabilität und die Sicherheitslage in Syrien äußerst angespannt.
Prekäre humanitäre Lage in allen Lebensbereichen
Mehr als 13 Jahre Bürgerkrieg haben die zivile Infrastruktur in weiten Teilen des Landes zerstört. Der Bevölkerung mangelt es bis heute an grundlegenden Dienstleistungen wie Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Elektrizität, Bildung, öffentlicher Transport sowie Wasser- und Sanitärversorgung. Zusätzlich verschärfen gegenwärtig schwere Treibstoffengpässe und weiter steigende Lebensmittelpreise die wirtschaftliche Situation vieler Haushalte. Der durchschnittliche Lohn deckt nur etwa ein Drittel des Grundbedarfs ab.
Zwar haben im Jahr 2025 die Vereinigten Staaten sowie die Europäische Union weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Syrien aufgehoben, die das Land zuvor weitgehend vom internationalen Bankensystem und der globalen Wirtschaft isoliert hatten. Aber die sozioökonomische Lage der Bevölkerung bleibt weiterhin prekär. Im Jahr 2025 lebten mehr als 90 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze und mit rund 16,5 Millionen Menschen ist ein erheblicher Teil weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen. Darüber hinaus haben etwa 14,56 Millionen Menschen Schwierigkeiten, ausreichend Nahrung zu erhalten.
Mehr als 13 Jahre Bürgerkrieg haben die zivile Infrastruktur in weiten Teilen des Landes zerstört.
Trotz des hohen Bedarfs bleibt die Finanzierung internationaler humanitärer Hilfe unzureichend. Nach Angaben des United Nations High Commissioner for Refugees standen bis September 2025 lediglich 24 Prozent der eigentlich benötigten Mittel zur Verfügung.
Die Folgen des Konflikts zeigen sich auch im Wohnungssektor. Allein im Gouvernement Homs werden etwa 35.000 zerstörte Häuser geschätzt. Für viele Rückkehrer*innen sowie ihren Familien ist es daher äußerst schwierig, angemessenen Wohnraum zu finden. Gleichzeitig sind die Mietpreise in unzerstörten Stadtteilen häufig so hoch, dass sie für große Teile der Bevölkerung unerschwinglich sind. Die Kombination aus Wohnraummangel, steigenden Mietpreisen sowie fortbestehenden sektiererischen Spannungen und veränderten Machtverhältnissen hat in Homs zudem zu einer Welle von Enteignungen und Verletzungen von Wohnrechten geführt.
Millionenfache Flüchtlinge im In- und Ausland
Infolge des Bürgerkriegs wurden Millionen Syrer*innen vertrieben. Nach dem Sturz Assads im Dezember 2024 bis Dezember 2025 sind rund 1.07 Millionen syrische Geflüchtete aus dem Ausland in ihre Herkunftsgebiete zurückgekehrt. Rund 3,7 Millionen befinden sich mit Stand von Mitte März 2026 weiterhin im Ausland.
Im Inland kehrten in einem Jahr nach dem Sturz Assads schätzungsweise 1,91 Millionen Binnenflüchtlinge in ihre Heimatregionen zurück. Die wichtigsten Zielregionen dieser Rückkehrbewegungen sind das Gouvernement Damaskus sowie Aleppo, Idlib, Homs und das Umland von Damaskus.
5 Mio. Binnenvertriebene gab es Anfang 2026 immer noch in Syrien
Gleichzeitig finden weiterhin umfangreiche Binnenvertreibungen statt – beispielsweise nach den Massakern in Suweida im Juli 2025, bei denen rund 200.000 Menschen vertrieben wurden und bei den Kämpfen in Nordost-Syrien, bei denen an nur einem Tag im Januar 2026 rund 146.000 Tausend Menschen vertrieben wurden.
Insgesamt lebten Anfang 2026 mehr als fünf Millionen Binnenvertriebene im ländlichen Syrien, verteilt auf mehr als 1.500 Lager und informelle Siedlungen.
Keine garantierte Sicherheit für Rückkehrer*innen
Insbesondere für Menschen aus ländlich gelegenen Heimatregionen kann eine Rückkehr aufgrund der materiellen Hinterlassenschaften des Krieges lebensgefährlich werden. Bereits in dem Zeitraum Dezember 2024 bis Dezember 2025 führten wegen nicht geräumter Landminen oder nicht explodierter Munitionen unkoordinierte und teilweise spontane Rückkehrbewegungen zu 1.022 Verletzten und 590 Toten.
Mehr als ein Jahr nach dem Sturz Assads existiert weiterhin kein umfassender nationaler Plan, der die Sicherheit von Rückkehrer*innen zum Beispiel vor solchen Gefahren gewährleistet. Zudem ist derzeit damit zu rechnen, dass der sich ausweitende Iran-Krieg kurzfristig neue Fluchtbewegungen auslösen:
Am 28. Februar 2026 führten gemeinsame Luftangriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf die Islamische Republik Iran zu einer militärischen Eskalation in der Region. Die darauf folgenden Gegenangriffe Irans weiteten die militärische Konfrontation auf weitere Staaten der Region. Aus dem Libanon verzeichnet Syrien ab dem 2. März daher einen deutlichen Anstieg von Einreisen. Allein in den ersten fünf Tagen überquerten mehr als 65.000 Personen – überwiegend syrische, aber auch libanesische Staatsangehörige – die Grenzübergänge nach Syrien, im gesamten März waren es 202.477 Personen. Die häufigsten Zielorte Ar-Raqqa, Damaskus und Homs stehen dadurch unter wachsendem Druck. Die
IOM-Generaldirektorin Amy Pope warnt vor einer noch »weitaus größeren Vertreibungskrise«, die die lokalen Kapazitäten überlasten und neue Binnenvertreibungen auslösen kann.
Angesichts der instabilen humanitären Lage, die auch das Auswärtige Amt als »volatil« bezeichnet, warnt PRO ASYL vor Abschiebungen nach Syrien
Angesichts der instabilen humanitären Lage, die auch das Auswärtige Amt als »volatil« bezeichnet, warnt PRO ASYL vor Abschiebungen nach Syrien und fordert stattdessen:
- Einen sofortigen und uneingeschränkten Abschiebestopp nach
- Keine Ablehnungen im Asylverfahren von syrischen Schutzsuchenden und mindestens Schutz für Angehörige von Minderheiten.
- Keine Widerrufsverfahren, solange Unterdrückung, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen anhalten.
- Keine politische Normalisierung oder diplomatische Aufwertung von Akteuren, die für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.
- Eine Syrienpolitik, die sich nicht an kurzfristiger migrationspolitischer Abschreckung, sondern an Menschenrechten, Schutz und einer realistischen Einschätzung der Sicherheitslage in Syrien orientiert.
- Eine verantwortungsvolle und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkende Integrationspolitik. Menschen, die vor Jahren einem brutalen Bürgerkrieg entflohen und längst Teil der deutschen Gesellschaft geworden sind, müssen als gleichwertige Bürger*innen behandelt werden, anstatt sie immer wieder mit Rückkehrforderungen auszugrenzen.
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Tagesschau 31.03.2026 Kritik an Merz-Aussage zu Syrern "Keine kluge Idee des Bundeskanzlers"
Für die Aussage, dass 80 Prozent der Syrer in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren sollen, muss Kanzler Merz Kritik einstecken. Der Koalitionspartner SPD hält solche Zielmarken für "keine kluge Idee", andere nennen sie "beschämend".
Die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zur Rückkehr der in Deutschland lebenden Syrer stoßen auf Kritik - auch beim Koalitionspartner SPD. "Es ist keine kluge Idee des Bundeskanzlers, konkrete Zahlen in konkreten Zeiträumen in den Raum zu stellen, weil das Erwartungen weckt, die er womöglich nicht einhalten kann", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Merz hatte nach einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt als Zielmarke genannt, dass in den nächsten drei Jahren 80 Prozent der mehr als 900.000 Syrer in Deutschland in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Der Kanzler fügte hinzu, dass sich al-Scharaa dies wünsche. Merz sagte, dass der Bürgerkrieg in Syrien zu Ende sei und es grundsätzlich die Perspektive zur Rückkehr gebe.
Einen Tag nach dem Treffen stellte Merz klar, dass die Zielmarke von 80 Prozent auf al-Scharaa zurückgehe. "Die Zahl von 80 Prozent Rückkehrern innerhalb von drei Jahren hat der syrische Präsident genannt. Wir haben diese Zahl zur Kenntnis genommen, sind uns aber der Dimension der Aufgabe bewusst", teilte Merz mit. Aus Regierungskreisen hieß es ergänzend, es sei grundsätzlich eine gute Nachricht, dass Syrerinnen und Syrer, die ihr Land wegen des Bürgerkriegs verlassen haben, wieder in ihre Heimat zurückkehrten und beginnen würden, diese wieder aufzubauen.
"Nicht selten sogar deutsche Staatsbürger geworden"
Rehlinger wies darauf hin, dass viele Syrerinnen und Syrer in Deutschland gut integriert seien und "in Mangelberufen arbeiten, alte Menschen pflegen oder Bus fahren, und nicht selten sogar deutsche Staatsbürger geworden sind".
Auch der Kanzler hatte betont, gut integrierte Syrerinnen und Syrer, die etwa als Ärzte oder Pflegepersonal arbeiten, sollten in Deutschland bleiben dürfen. Viele würden jedoch beim Wiederaufbau in ihrer Heimat gebraucht.
Analyse 30.03.2026 Antrittsbesuch von al-Scharaa Umstrittenes Treffen und eine Zahl, die Schlagzeilen macht Die deutsche Bundesregierung und der syrische Übergangspräsident haben über gemeinsame Interessen gesprochen. mehr
Migrationsforscher hält Zielmarke für unrealistisch
Der Konstanzer Migrationsforscher Daniel Thym hält die von Merz genannte Zielmarke für völlig unrealistisch. "Solch hohe Rückkehrzahlen dürften sich als Illusion erweisen und selbst im Wege der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein", sagte er dem Handelsblatt. Bislang seien nur wenige Tausend Syrer freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Es bleibe unklar, warum sich dies grundlegend ändern sollte. Das gelte auch für zwangsweise Abschiebungen.
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg, Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss zu Syrien und Nahost, bezeichnete den Auftritt des Kanzlers als "beschämend". Merz verunsichere "Hunderttausende Deutsch-Syrer, die den Eindruck erhalten, dass sie in den kommenden Jahren Deutschland wieder verlassen müssen“, so Amtsberg in der Rheinischen Post.