Appell geretteter Iraner*innen: Humanitäre Aufnahmen retten Leben!

19.03.2026 Presse­mitteilung von Pr Asyl: 

 

PRO ASYL ver­öf­fent­licht Offe­nen Brief von ver­folg­ten Iraner*innen, die in Deutsch­land dank einer huma­ni­tä­ren Auf­nah­me nach Para­graf 22 Auf­ent­halts­ge­setz Schutz gefun­den haben und drin­gend wei­te­re Auf­nah­men fordern.

Fünf aus dem Iran auf­ge­nom­me­ne Men­schen haben sich an PRO ASYL gewandt. Im Iran hat­ten sie sich für Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te ein­ge­setzt und dafür die Bru­ta­li­tät des ira­ni­schen Regimes schmerz­haft zu spü­ren bekom­men. Noch unter der vor­he­ri­gen Bun­des­re­gie­rung erhiel­ten sie eine Auf­nah­me­zu­sa­ge und konn­ten in Deutsch­land dank eines huma­ni­tä­ren Visums Zuflucht fin­den. Seit Amts­an­tritt der neu­en Bun­des­re­gie­rung wur­de jedoch kei­ne sol­che Visum­zu­sa­ge mehr erteilt, denn Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt hat die Hür­den für die huma­ni­tä­re Auf­nah­me nahe­zu unüber­wind­bar hoch gesetzt.

Die fünf Geret­te­ten for­dern in einem Offe­nen Brief an Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt drin­gend, die Ver­ga­be von huma­ni­tä­ren Visa für poli­tisch Ver­folg­te aus dem Iran wie­der auf­zu­neh­men. Die Unterzeichner*innen des Brie­fes, den wir hier im Wort­laut ver­öf­fent­li­chen, ste­hen für Rück- und Inter­view­an­fra­gen zur Ver­fü­gung – wir ver­mit­teln ger­ne den Kontakt.

Offe­ner Brief im Wortlaut

Offe­ner Brief an Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dobrindt

Sehr geehr­ter Herr Bundesinnenminister,

wir wen­den uns an Sie als Men­schen, deren Leben durch ein huma­ni­tä­res Visum geret­tet wur­de. Wir gehö­ren zu denen, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­grund ihres Ein­sat­zes für Frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te in der Isla­mi­schen Repu­blik Iran ver­folgt wur­den. Dass wir heu­te leben, spre­chen und frei han­deln kön­nen, ver­dan­ken wir auch einem poli­ti­schen Instru­ment Deutsch­lands: Der huma­ni­tä­ren Auf­nah­me nach Para­graph 22 Auf­ent­halts­ge­setz und dem ver­ein­fach­ten Zugang, der nach den Pro­tes­ten der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung 2022 geschaf­fen wur­de. Ohne die­sen ver­ein­fach­ten Zugang wären vie­le von uns heu­te nicht mehr am Leben.

Wir sind Men­schen mit unter­schied­li­chen Geschich­ten, aber mit einem gemein­sa­men Schick­sal: Wir sind eine trans Frau, die in Iran als poli­ti­sche Gefan­ge­ne inhaf­tiert war, weil sie exis­tier­te und ihre Stim­me erhob. Wir sind ein ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Gefan­ge­ner der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste, der im Todes­trakt saß, wäh­rend sein Kind­heits­freund vom Regime hin­ge­rich­tet wur­de. Wir sind ein Rap­per, der ver­haf­tet, schwer gefol­tert und auch nach sei­ner Frei­las­sung immer wie­der bedroht und ver­hört wur­de. Wir sind eine kur­di­sche Jour­na­lis­tin und Mit­grün­de­rin einer Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on, die selbst im Exil Ziel trans­na­tio­na­ler Repres­si­on wur­de und bei einem Rake­ten­an­griff des ira­ni­schen Regimes in Erbil bei­na­he getö­tet wor­den wäre. Wir sind ein Demons­trant, dem wäh­rend der Pro­tes­te ins Auge geschos­sen wur­de und der anschlie­ßend auch noch ver­haf­tet wurde.

Deutsch­land hat uns damals über die huma­ni­tä­ren Visa einen siche­ren Flucht­weg eröff­net. Die­ser Weg hat uns nicht nur geschützt, son­dern uns auch ermög­licht, weiterzukämpfen.

Heu­te spre­chen wir vor inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen und den Ver­ein­ten Natio­nen. Wir legen Zeug­nis über Fol­ter, Hin­rich­tun­gen und staat­li­che Gewalt in Iran ab. Wir geben Inter­views, doku­men­tie­ren Men­schen­rechts­ver­bre­chen und arbei­ten eng mit Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men, die die Ver­bre­chen des Regimes sicht­bar machen. Wir sind Stim­men der­je­ni­gen, die in Iran zum Schwei­gen gebracht werden.

Mit gro­ßer Sor­ge sehen wir nun, dass der ver­ein­fach­te Zugang zu huma­ni­tä­ren Auf­nah­men abge­schafft wur­de und die Hür­den so hoch gesetzt wur­den, dass vie­le akut Ver­folg­te kaum noch eine Chan­ce haben, die­sen Schutz zu erhalten.

Es geht um poli­ti­sche Gefan­ge­ne, ver­letz­te Demons­trie­ren­de, Journalist*innen, Aktivist*innen. Vie­le von ihnen wer­den, genau wie wir, eines Tages wich­ti­ge Zeug*innen sein. Doch wenn ihnen heu­te der Zugang zu Schutz ver­wehrt wird, ver­lie­ren wir nicht nur Men­schen­le­ben, son­dern auch Stim­men der Gerechtigkeit.

Wir bit­ten Sie daher ein­dring­lich: Stel­len Sie rea­lis­ti­sche und erreich­ba­re Kri­te­ri­en für huma­ni­tä­re Auf­nah­men aus Iran wie­der her. Öff­nen Sie die­sen siche­ren Schutz­weg erneut für die­je­ni­gen, die wegen ihres Ein­sat­zes für Demo­kra­tie ver­folgt wer­den. Bit­te hel­fen Sie uns, die Frei­heits­be­we­gung Irans zu schützen.

Mit Hoff­nung

Raha Ajour­da­ni, trans Frau und ehe­ma­li­ge poli­ti­sche Gefan­ge­ne der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung;

Reza Shaker, ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Gefan­ge­ner der Frau-Leben-Frei­heit-Bewe­gung, des­sen bes­ter Freund Meh­di Kara­mi hin­ge­rich­tet wurde;

Beh­rad Ali­ko­na­ri, Pro­test-Rap­per und ehe­ma­li­ger poli­ti­scher Gefan­ge­ner der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung;

Zhi­la Mosta­jer, Grün­de­rin und Vor­sit­zen­de der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on HENGAW;

Adnan Hoss­ei­ni, kur­di­scher Akti­vist, wur­de wäh­rend der Frau-Leben-Frei­heit-Bewe­gung gezielt ins Auge geschos­sen und ver­lor sein rech­tes Auge.