02.03.2026 Das Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Bonn für 2026 legte jetzt sein Programm für die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2026 vor. Diese unter dem Motto „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“. Das Programm wird ergänzt durch Ankündigungen von Organisationen und Gruppen, die dann im Terminkalender zu finden sind.
Wanderausstellung in Bonn zur Aufarbeitung der NSU-Verbrechen
vom 16. bis zum 27. März 2026
Ort: Foyer des Stadthauses, Berliner Platz 2, 53111 Bonn
Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus zeigt das Amt für Integration und Vielfalt die Wanderausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“. Vom 16. März bis zum 27.März können sich Interessierte im Foyer des Stadthauses über die Verbrechen des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) informieren und sich mit der Perspektive der Angehörigen sowie den gesellschaftlichen Folgen der Mordserie beschäftigen.
Der rechtsterroristische NSU ermordete: Enver Şimşek, Mehmet Kubaşık, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter.
Die Ausstellung wurde von Birgit Mair im Auftrag des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) konzipiert. Sie beleuchtet auf Schautafeln die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zwischen 1999 und 2011. Sie thematisiert nicht nur die Biografien der Ermordeten und die Aufarbeitung der Taten, sondern auch rechte Gewalt nach der Selbstenttarnung des NSU.
16. März | 17.30 Uhr bis 18.15 Uhr Digitaler Einführungsvortrag zur Ausstellung. Im Anschluss stehen Mitarbeitende des Amtes für Integration und Vielfalt vor Ort für Gespräche zur Verfügung.
Anmeldung zur Führung: integrationundvielfalt@bonn.de
Filmvorführung „Die Möllner Briefe“
mit Zeitzeugengespräch mit Ibrahim Arslan
19. März 2026 | 19:30 Uhr, Eintritt acht Euro (Unkostenbeitrag)
26. März 2026 | 9/10/11 Uhr Vorführungen für Bonner Schulklassen (Dauer mit Gespräch
jeweils ca. 145 Minuten), Eintritt drei Euro pro Person.
Ort: Woki, Bertha-von-Suttner-Platz 1-7, 53111 Bonn
Im November 1992 zerstörte der rassistische Brandanschlag von Mölln die Leben von İbrahim Arslan und seiner Familie. Der damals siebenjährige İbrahim überlebte, verlor aber seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. Die Stadt Mölln erhielt Hunderte Briefe mit Solidaritätsbekundungen, von denen aber fast drei Jahrzehnte niemand Notiz nahm. Der Film folgt İbrahim bei der Entdeckung dieser Briefe und bei der Begegnung mit drei ihrer Verfasser*innen. Zugleich zeichnet er ein komplexes Porträt des anhaltenden Traumas, das İbrahim und seine Geschwister bis heute beeinträchtigt. İbrahim hat einen Umgang mit den Geschehnissen gefunden, indem er aktiv gegen Rassismus kämpft und sich für eine Erinnerungskultur einsetzt, die die Opfer ins Zentrum stellt. Sein Bruder Namik hingegen befindet sich noch am Anfang seines Wegs der Bewältigung.
Der Film beleuchtet nicht nur die Erfahrungen der Überlebenden, er deckt auch die große Solidarität auf, die es damals gab – eine Solidarität, von der die Opfer bis zu diesem Zeitpunkt nichts wussten. Er schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und nimmt eine Perspektive des Erinnerns ein, die den Stimmen der Betroffenen den Raum und die Anerkennung gibt, die sie verdienen. (Berlinale) Regie: Martina Priessner, FSK 12,
Länge 96 Min.
Anmeldung: integrationundvielfalt@bonn.de
„Da brauchst du mir gar nichts zu erzählen!“
Argumentationstraining gegen Stammtischparolen
Referent: Max Barnewitz, Initiative STREIT/FÖRDERER
24. März 2026 | 10:30 bis 17:20 Uhr
Ort: Altes Rathaus, Raum 1.17, Rathausgasse 5-7, 53111 Bonn
Wer kennt das nicht: Im Rahmen des Ehrenamts, in der Nachbarschaft oder in der Familie werden abwertende oder gar hasserfüllte Aussagen getätigt – und man sucht irritiert und überrumpelt nach einer angemessenen Reaktion. In solchen Konfrontationen droht dabei oft eine lähmende Ohnmacht.
Dabei lebt die Demokratie von (auch) kontrovers geführten Auseinandersetzungen.
Deswegen ermutigt der Workshop dazu, sich auch an unbequemen Auseinandersetzungen zu beteiligen. Handlungsorientiert und alltagsnah erarbeiten wir Strategien, wie sich gezielt und demokratisch auf Stammtischparolen reagieren lässt.
Anmeldung bis zum 19. März: integrationundvielfalt@bonn.de
Buchlesung und Gespräch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“
Mit Gamze Kubaşık, Semiya Şimşek und Christine Werner
Moderation: Ali Şirin
26. März | 18:00 bis 20:00 Uhr
Ort: Foyer des Stadthauses, Berliner Platz 2, 53111 Bonn
Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus laden wir herzlich zu einer besonderen Lesung mit anschließendem Gespräch ein.
Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık verloren ihre Väter durch die rechtsterroristischen Morde
des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Am 9. September 2000 wurde Enver Şimşek in Nürnberg ermordet, am 4. April 2006 Mehmet Kubaşık in Dortmund. Zwischen 2000 und 2007 tötete der NSU insgesamt neun Männer mit Migrationsgeschichte sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter.
Für die Familien begann nach den Morden eine lange Zeit der Trauer und des Kampfes um Aufklärung. Statt Unterstützung erfuhren viele Angehörige Misstrauen, Verdächtigungen und
rassistische Zuschreibungen. Bis heute sind nicht alle Fragen rund um den NSU-Komplex geklärt. In der Veranstaltung sprechen Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek über ihre Familiengeschichten und den Verlust ihrer Väter. Sie berichten von den Erfahrungen der Angehörigen, die über Jahre hinweg nicht ernst genommen wurden und teils selbst unter Verdacht gerieten.
Ihr Jugendbuch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ erzählt von Trauer, Wut und Zusammenhalt und davon, wie aus Schmerz politisches und gesellschaftliches Engagement entsteht. Gemeinsam setzen sie sich für Erinnerung, Aufarbeitung und eine Gesellschaft ohne
Rassismus ein.
Die Veranstaltung bietet Raum für Austausch, Fragen und gemeinsames Erinnern.
Anmeldung: integrationundvielfalt@bonn.de
https://www.fischer-sauerlaender.de/buch/gamze-kubasik-semiya-simsek-unser-schmerz-ist-
unsere-kraft-9783737373487
Was tun bei rassistischen und rechtsextremen Vorfällen?
Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, Zeug*innen und Institutionen
Podiumsgespräch mit:
Zola Wiegand-M´Pembele, Anti-Rassismus-Aktivistin und interkulturelle Coachin
Mario Kasprusch, Polizei Bonn, Opferschutz
Sabrina Hosono, Opferberatung Rheinland
Dr. Benjamin Chardey, Amt für Integration und Vielfalt/Kommunales Integrationszentrum,
Antidiskriminierungsberatung
27. März 2026 | 17:30 Uhr
Ort: Stadthaus, Berliner Platz 2, 53111 Bonn, Sitzungsraum 1
Moderation: Oyindamola Alashe
Rassistische Anfeindungen, Diskriminierung und rechtsextreme Vorfälle treten in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen auf. Im öffentlichen Raum, in Institutionen, im digitalen Umfeld oder im Alltag.
Betroffene und Zeug*innen stehen häufig vor konkreten Fragen:
Welche Rechte habe ich? An wen kann ich mich wenden? Wann ist eine Anzeige sinnvoll? Welche Beratungs- und Unterstützungsangebote gibt es?
Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus laden wir zu einem Podiumsgespräch ein, das diese Fragestellungen aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln beleuchtet und die Betroffenenperspektive sichtbar macht. Vertreter*innen von Polizei und Beratungsstellen sowie zivilgesellschaftliche Akteur*innen informieren über Zuständigkeiten, Verfahren und Unterstützungsangebote.
Der Poetry-Slam-Beitrag der Bonnerin Salma Bouabane „Was du in mir sehen willst“ greift diese Themen zum Abschluss auf.
Im Anschluss an die Veranstaltung besteht bei einem Imbiss Gelegenheit zum weiteren
Austausch und zur Vernetzung.
Anmeldung: integrationundvielfalt@bonn.de
RESET GEGEN RECHTS
Graffiti-Aktionstag
28. März 2026 | 13:00–18:00 Uhr
Ein starkes Zeichen.
Mitten in der Stadt.
Von jungen Menschen aus Bonn.
Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2026 entsteht am Zugang zur
Maximilianpassage ZOB (Haltepunkt Hauptbahnhof zentrale Bushaltestelle) ein Graffiti-Kunstwerk. Unter dem Motto „Reset gegen Rechts“ setzen Bonner Jugendliche ein sichtbares Statement für Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander.
Was hier gestaltet wird, ist mehr als Farbe auf Beton: Es ist eine klare Haltung gegen Ausgrenzung und Rechtsextremismus, kreativ, selbstbewusst und öffentlich.
Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit erfahrenen Künstler*innen. Interessierte Bürger*innen sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen und die Entstehung des Kunstwerks live mitzuerleben.
Zugang Maximilianpassage ZOB, Bonn 13:00–18:00 Uhr
Vorbereitungstag
14. März 2026 | 13:00–18:00 Uhr
An diesem Tag entwickeln die teilnehmenden Jugendlichen im Kommunalen Integrationszentrum Bonn die Skizzen und inhaltlichen Konzepte für das Kunstwerk.
(Der Vorbereitungstag ist ein eigenständiger Termin und nicht Teil der Internationalen Wochen gegen Rassismus.)
Anmeldung: integrationundvielfalt@bonn.de
Öffentliche Begleitungen durch die Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte – Deutschland seit 1945“
22. März und 29. März 2026 | jeweils 14:00 Uhr Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland, Museumsmeile, Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn
Die Dauerausstellung thematisiert zentrale Entwicklungen der deutschen Zeitgeschichte, darunter Einwanderungsland Deutschland, Rechtsextremismus und rechte Gewalt sowie Rassismus und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Im Rahmen der Ausstellung werden auch Objekte aus dem Besitz der Familie Kubaşık präsentiert. Diese persönlichen Exponate eröffnen einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte und machen individuelle Erfahrungen und Familienperspektiven im öffentlichen Erinnern sichtbar.
Anmeldung: integrationundvielfalt@bonn.de