20.02.2026 Aus dem Newsletter_ Februar_2026 des Flüchtlingsrates NRW:
Am 28.01.2026 veröffentlichte die Hilfsorganisation CARE ihren 10. Krisenreport. Darin analysieren die Autorinnen die „zehn größten humanitären Krisen im Jahr 2025“, über die weltweit am wenigsten berichtet worden sei, auf Grundlage einer Datenanalyse des internationalen Medienbeobachtungsdienstes Meltwater. Dieser habe im vergangenen Jahr insgesamt 345.000 Online-Medien auf Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Arabisch untersucht.
Acht im aktuellen Bericht aufgeführte betroffene Länder liegen auf dem afrikanischen Kontinent: Die Zentralafrikanische Republik (ZAR), Namibia, Sambia, Malawi, Angola, Burundi, Simbabwe und Madagaskar. Des Weiteren nehmen die Autorinnen Honduras und Nordkorea in den Blick. Die Ursachen der Krisen seien vor allem Hunger und Ernährungsunsicherheit, Folgen des Klimawandels sowie politische Konflikte. Insgesamt sprechen die Autorinnen von rund 43 Millionen von den im Bericht genannten Krisen betroffenen Menschen.
Besonders gravierend sei die Situation in der ZAR, die im Jahr 2025 in insgesamt lediglich 1.532
Artikeln thematisiert worden sei.2 Nach Angaben von CARE sind von den rund 5,5 Millionen Einwohnerinnen des Landes etwa 2,4 Millionen von humanitärer Not betroffen, die durch über zwölf Jahre andauernde bewaffnete Konflikte und deren Folgen verursacht werde. Human Rights Watch berichtet aktuell auf seiner Webseite, dass es trotz eines im Jahr 2025 geschlossenen Waffenstillstands weiterhin zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungskräften und Rebellinnengruppen komme. Die Autorinnen des CARE-Krisenreports weisen zudem darauf hin, dass die Angriffe der Konfliktparteien auf zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser und Schulen den Zugang zur Grundversorgung erheblich beeinträchtigten und zur Vertreibung und Flucht der Bevölkerung beitrügen. Laut dem Datenportal der UNO-Flüchtlingshilfe (Stand: 31.01.2026) sind knapp 730.000 Menschen aus der ZAR ins Ausland geflüchtet, vor allem nach Kamerun (277.873) und in die Demokratische Republik Kongo (266.404). Hinzu kämen etwa 428.000 Binnenvertriebene innerhalb des Landes. Wie Unicef auf seiner Webseite berichtet, suchten zudem Menschen aus Nachbarländern wie dem Sudan und dem Tschad Schutz in der ZAR. Da diese nur sehr begrenzt über Hilfsgüter verfüge, sei die Versorgung der fast 53.000 Schutzsuchenden aus anderen Krisenregionen nur eingeschränkt möglich.
Auch Burundi verzeichne erhebliche Fluchtbewegungen. Unter den rund 14,4 Millionen Einwohnerinnen sind laut CARE etwa 600.400 Menschen akut von humanitärer Not betroffen, weitere rund 1,2 Millionen würden in einer unsicheren Ernährungslage leben. Dies sei insbesondere auf klimabedingte Ernteverluste, steigende Lebensmittelpreise und begrenzte wirtschaftliche Perspektiven zurückzuführen. Wie die UNO-Flüchtlingshilfe zudem in einer Meldung (Stand: 03.03.2025) berichtet, gebe es seit Jahrzehnten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Hutu und Tutsi. Infolge dieser Konflikte hätten bislang rund 320.000 Menschen aus Burundi (Stand: 03.03.2025) Schutz in den Nachbarländern Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Tansania und Uganda gesucht. Innerhalb Burundis seien rund 79.000 Menschen Binnenvertriebene. Mehr als die Hälfte der burundischen Flüchtlingsbevölkerung sei minderjährig. Kinder und Jugendliche seien hohen Risiken ausgesetzt, insbesondere (sexueller und geschlechtsspezifischer) Gewalt und Ausbeutung, Familientrennungen, Zwangsrekrutierung und fehlendem Zugang zu Bildung.
„Wo Krisen unsichtbar bleiben, fehlt oft auch die finanzielle Unterstützung“, schreiben die Autorinnen des CARE-Krisenreports. Sie betonen die Notwendigkeit, medial unterrepräsentierte Krisen sichtbarer zu machen. Essenziell sei dies besonders in Regionen, in denen Konflikte, Hunger und Klimafolgen seit Jahren bestehen und die Mittel für humanitäre Hilfe zuletzt gekürzt wurden. Länder wie die ZAR und Burundi würden regelmäßig in den CARE-Berichten aufgeführt. Dies zeige, inwiefern strukturelle Ungleichheit, fehlende politische Lösungen und chronische Unterfinanzierung die Lebensbedingungen langfristig belasteten.