21.09.2026 Ab Herbst 2026 soll das BAMF die massenhafte Aberkennung des Schutzstatus´ von aus Syrien Geflüchteten beginnen - "auf breiter Front", wie Medien berichten. Als erstes seien Bezieher:innen von Sozialleistungen betroffen, vor allem alleinstehende junge Männer. Eine entsprechende Weisung werde Innenminister Dobrindt erteilen.
Nach dem Willen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) soll das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg einem Bericht zufolge noch in diesem Herbst den Schutzstatus von Syrern auf breiter Front aberkennen. (BR)
Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte, es sei völlig klar, »dass ein Schutztitel nur so lange Bestand haben kann, wie ein entsprechender Schutzbedarf besteht.«
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, sagte dem RND: »Beginnen sollte die Widerrufsprüfung bei allein reisenden jungen Männern, die Sozialhilfe beziehen, die also nicht arbeiten und dem Staat auf der Tasche liegen. Personen wie beispielsweise Ärzte oder Pfleger, die arbeiten, haben die Möglichkeit, in einen Arbeitsaufenthaltstitel zu wechseln.«
Parallel zum Widerruf sei ein besseres Programm zur Förderung der freiwilligen Rückkehr von syrischen Flüchtlingen nötig, sagte Throm. »Das soll den Anreiz, freiwillig auszureisen, erhöhen. Denn jede freiwillige Ausreise ist billiger als eine zwangsweise Abschiebung«. (alles ZEIT)
Nach der veränderten Lage in Syrien hat das BAMF Prüfungen bereits intensiviert. Im ersten Halbjahr 2026 endeten bereits mehr als 23 Prozent der überprüften Verfahren mit einem Widerruf oder einer Rücknahme – deutlich mehr als in den Vorjahren. Ab Herbst könnte der Schutzstatus auf breiter Front systematisch geprüft werden. (Merkur)
Zum 31. Juli dieses Jahres waren rund 14.500 Syrer und Syrerinnen ausreisepflichtig, davon haben aber laut Regierungsangaben 11.500 Personen eine Duldung. Sie werden derzeit nicht abgeschoben. Insgesamt gab es bisher nur sehr vereinzelt Abschiebungen nach Syrien, sie betrafen Straftäter. (BR)
Nach einer Pressemitteilung von Pro Asyl mehrere Medienberichte:
- Pessemitteilung 22.09.2026: PRO ASYL zur Debatte über Abschiebungen nach Syrien und den Widerruf des Schutzstatus: Syrien ist instabil und gefährlich
PRO ASYL kritisiert die Ankündigungen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, dass sowohl Abschiebungen als auch geförderte Rückführungen nach Syrien ausgeweitet werden sollen.
Die Ankündigung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, den Schutzstatus von immer mehr Syrer*innen aberkennen zu lassen und dabei insbesondere ‚alleinreisende junge Männer’ in den Blick zu nehmen, ist alarmierend. Über den Schutz eines Menschen entscheiden weder politische Zielvorgaben noch Fragen, ob jemand seinen Lebensunterhalt bestreiten kann – entscheidend ist die Situation und individuelle Gefährdung im Herkunftsland. Wer über Widerrufe und Abschiebungen nach Syrien spricht, muss zuvor über die Realität vor Ort sprechen. Und die ist nach wie vor instabil und gefährlich”, sagt Tareq Alaows, flüchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL.
Die politischen Veränderungen in Syrien haben Hoffnungen geweckt und in Teilen des Landes auch Veränderungen ermöglicht. Sie dürfen aber nicht mit Sicherheit verwechselt werden. Millionen Menschen leben weiterhin in Vertreibung, Armut und existenzieller Not, während staatliche Schutzstrukturen vielerorts schwach, nicht verlässlich oder selbst an Eskalationen beteiligt sind.
Diese Realität muss Ausgangspunkt jeder asylrechtlichen Entscheidung sein. Für den Widerruf eines Schutzstatus gelten klare rechtliche Voraussetzungen: Die Veränderungen im Herkunftsland müssen wesentlich und dauerhaft sein und der individuelle Schutzbedarf muss tatsächlich entfallen sein. Pauschale Kategorien wie Alter, Geschlecht, Familienstand oder Arbeitsfähigkeit können diese Prüfung nicht ersetzen.
Hintergrund: Zur Lage in Syrien
Mehr als anderthalb Jahre nach dem Sturz des Assad-Regimes bleibt Syrien ein von Krieg, Gewalt, Vertreibung und dem Zusammenbruch grundlegender Infrastruktur gezeichnetes Land. Lokale Gewaltausbrüche und bewaffnete Auseinandersetzungen haben auch 2026 erneut Zehntausende Menschen vertrieben. Mehr als fünf Millionen Menschen sind weiterhin innerhalb Syriens auf der Flucht. Viele Rückkehrende kommen an Orte zurück, in denen Wohnraum zerstört ist, Arbeitsmöglichkeiten fehlen und grundlegende staatliche Dienstleistungen kaum funktionieren.
Die Zahlen zur humanitären Situation sprechen eine deutliche Sprache: Rund 15,6 Millionen Menschen sind 2026 auf humanitäre Hilfe angewiesen – darunter 7,2 Millionen Kinder. 13,3 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen, davon leiden 7,2 Millionen akut darunter. Auch die Versorgung mit elementaren Gütern ist für Millionen Menschen nicht gewährleistet. Mehr als 10 Millionen Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser. Nur 57 Prozent der Krankenhäuser und 30 Prozent der Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung sind vollständig funktionsfähig. Rund 2,7 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule.
Besonders dramatisch ist die Situation von Kindern: Rund 587.000 Kinder unter fünf Jahren müssen wegen akuter Mangelernährung behandelt werden, darunter etwa 96.000 schwer mangelernährte Kinder. Gleichzeitig gefährden Minen und andere explosive Kriegsreste weiterhin das Leben der Bevölkerung. Seit Dezember 2024 wurden nach UNICEF-Angaben mindestens 252 Kinder dadurch getötet und weitere 601 verletzt.
Hinzu kommt eine weiterhin fragile Sicherheitslage. Die Gewalteskalationen der vergangenen Monate in verschiedenen Landesteilen zeigen, wie wenig belastbar die vermeintliche Stabilisierung ist. Allein die Kämpfe in Aleppo, Raqqa und Hasaka führten Anfang 2026 zur Vertreibung von mehr als 170.000 Menschen. Die Gewalt in Suweida hatte bereits im Sommer 2025 rund 187.000 Menschen zur Flucht gezwungen.
Noch im Herbst will der Bundesinnenminister den Schutzstatus vieler syrischer Staatsbürger aberkennen lassen. Bezieher von Sozialleistungen stehen dabei im Fokus.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) soll Syrern laut einem Medienbericht nach dem Willen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeitnah weitgehend den Schutzstatus entziehen. Dobrindt wolle der Behörde mit Sitz in Nürnberg noch in diesem Herbst eine entsprechende Weisung geben, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf mehrere CDU-Innenexperten im Bundestag.
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, sagte dem RND: »Beginnen sollte die Widerrufsprüfung bei allein reisenden jungen Männern, die Sozialhilfe beziehen, die also nicht arbeiten und dem Staat auf der Tasche liegen. Personen wie beispielsweise Ärzte oder Pfleger, die arbeiten, haben die Möglichkeit, in einen Arbeitsaufenthaltstitel zu wechseln.«
Freiwillige Rückkehr soll gefördert werden
Parallel zum Widerruf sei ein besseres Programm zur Förderung der freiwilligen Rückkehr von syrischen Flüchtlingen nötig, sagte Throm. »Das soll den Anreiz, freiwillig auszureisen, erhöhen. Denn jede freiwillige Ausreise ist billiger als eine zwangsweise Abschiebung«.
Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht laut Throm bereits eine Erhöhung der Mittel für die freiwillige Ausreise vor. Derzeit liegen die Prämien für eine freiwillige Ausreise aus Deutschland bei 1.000 Euro pro Erwachsenem...
- Merkur 21.09.2026 Erst die, die „dem Staat auf der Tasche liegen“: Dobrindt greift bei Schutzstatus für... Brisanter Bericht: Dobrindt greift bei Syrer-Schutzstatus durch
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) prüft bei in Deutschland Schutzbedürftigen regelmäßig die Situation in den Herkunftsländern. Bald könnten viele Geflüchtete aus Syrien zu einer Rückkehr in die Heimat gezwungen sein. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) möchte Syrern offenbar breitflächig den Schutzstatus aberkennen.
... Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bezogen im März 2026 rund 450.000 syrische Staatsangehörige Grundsicherung.
... Nach der veränderten Lage in Syrien hat das BAMF Prüfungen bereits intensiviert. Im ersten Halbjahr 2026 endeten bereits mehr als 23 Prozent der überprüften Verfahren mit einem Widerruf oder einer Rücknahme – deutlich mehr als in den Vorjahren. Ab Herbst könnte der Schutzstatus auf breiter Front systematisch geprüft werden.
Die Union spricht sich dafür aus, noch im Herbst den Schutzstatus von Syrern auf breiter Front prüfen zu lassen. Wie der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion sagte, solle die Widerrufsprüfung als erstes alleinreisende junge Männer betreffen.
Nach dem Willen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) soll das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg einem Bericht zufolge noch in diesem Herbst den Schutzstatus von Syrern auf breiter Front aberkennen...
Innenministerium: Jeder Fall müsse einzeln geprüft werden
Auf Nachfrage von BR24 wollte das Bundesinnenministerium den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Eine Pressesprecherin sagte, das Innenministerium arbeite durchgehend daran, die Zahl der Rückführungen von Syrern auszubauen, weil sich die humanitäre Lage in ihrem Heimatland verbessert habe. Derzeit gehe es dabei vor allem um Straftäter und Gefährder.
Konkrete Zahlen, wie viele Syrer das betreffen könnte, nannte das Ministerium nicht. Jeder Fall müsse einzeln geprüft werden. Nur Syrer, die nach dieser Prüfung als vollziehbar ausreisepflichtig eingestuft werden, werden am Ende dann auch rückgeführt, sagte die Sprecherin.
Zum 31. Juli dieses Jahres waren rund 14.500 Syrer und Syrerinnen ausreisepflichtig, davon haben aber laut Regierungsangaben 11.500 Personen eine Duldung. Sie werden derzeit nicht abgeschoben. Insgesamt gab es bisher nur sehr vereinzelt Abschiebungen nach Syrien, sie betrafen Straftäter.