23.07.2026 Die unabhängige Asylberatung steht vor dem Aus, vorgeblich wegen Veränderungen durch GEAS, vorgeblich aus Einspargründen. Nun legte das BAMF mit einem halben Jahr Verspätung den im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verabredeten und soeben veröffentlichten Evaluationsbericht der unabhängigen Asylverfahrensberatung (AVB) vor, der bescheinigt: Unabhängige Beratung wirkt. Sie hilft, Schutzbedarfe frühzeitig zu erkennen, stärkt die Rechtssicherheit von Asylentscheidungen und entlastet damit Behörden und Gerichte. (Diakonie).
Mit Verspätung also. Zu spät für die Fortsetzung der erfolgreichen unabhängigen Asylverfahrensberatung?
Die Veröffentlichung der Evaluation fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung die Mittel für das AVB-Programm drastisch reduzieren will. Die Kürzungspläne werden mit der Geas-Reform begründet, die das europäische Asylsystem grundlegend umbaut. Mit dem am 12. Juni 2026 in Kraft getretenen Geas-Anpassungsgesetz wird eine neue behördliche Rechtsauskunft eingeführt.
Organisationen wie Pro Asyl und der Paritätische Gesamtverband bemängeln, dass die Reform auf Abschreckung setze und wegen der Abhängigkeit von staatlichen Vorgaben menschenrechtliche Risiken berge. Die neue amtliche Rechtsauskunft des Bamf, die seit Juni angeboten wird, bezeichnen die Verbände als »Informationsveranstaltung« und keinen Ersatz für die unabhängige Beratung.
Der am Mittwoch veröffentlichte Bamf-Bericht bestätigt aus Sicht der Träger ihre Kritik... (nd)
Seitens der SPD-Fraktion, Teil der Koalition, ist zu hören:
Wichtig ist jetzt, dass wir die auskömmliche Finanzierung der AVB im parlamentarischen Haushaltsverfahren sicherstellen, damit die individuelle Beratung auch weiterhin gesichert ist. (Pressemitteilung)
In Aktuell schreibt der Flüchtlingsrat NRW am 23.07.2026
Das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) hat im Juli 2026 den Forschungsbericht 54 zur Evaluation der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung (AVB) veröffentlicht. Die Untersuchung belegt, dass die unabhängige Beratung nach § 12a AsylG entscheidend dazu beiträgt, Asylsuchende frühzeitig aufzuklären und Verfahren transparenter sowie effizienter zu gestalten.
Trotz dieser positiven Bilanz sieht der kürzlich vorgelegte Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 vor, die Mittel für das Bundesprogramm drastisch von 25 Millionen Euro (2026) auf nur noch 5 Millionen Euro zu kürzen. Die SPD-Bundestagsfraktion hat sich vor dem Hintergrund der Evaluationsergebnisse bereits kritisch zu den geplanten Einsparungen geäußert und angekündigt, sich im anstehenden parlamentarischen Verfahren für eine auskömmliche Finanzierung der unabhängigen Asylverfahrensberatung einzusetzen.
Dazu Quellen, Stellungnahmen und Berichte:
- Diakonie 22.07.2026 Unabhängige Asylverfahrensberatung wirkt. BAMF-Forschungszentrum veröffentlicht Evaluierungsbericht
Der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verabredete und heute veröffentlichte Evaluationsbericht der unabhängigen Asylverfahrensberatung (AVB) zeigt aus Sicht der Diakonie Deutschland deutlich: Unabhängige Beratung wirkt. Sie hilft, Schutzbedarfe frühzeitig zu erkennen, stärkt die Rechtssicherheit von Asylentscheidungen und entlastet damit Behörden und Gerichte.
Die Bundesregierung plant, die Mittel für die Asylverfahrensberatung ab 2027 massiv zu kürzen Die Diakonie spricht sich dagegen auf Grundlage der Evaluation dafür aus, das Programm fortzuführen, weiterzuentwickeln und besser in behördliche Verfahren einzubinden.
Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch erklärt: „Die Evaluation bestätigt, was wir aus der Praxis seit Langem wissen: Unabhängige Asylverfahrensberatung wirkt. Sie macht Verfahren fairer, verständlicher und rechtssicherer. Sie hilft den Menschen, ihre Rechte und Pflichten zu verstehen und im Verfahren besser mitzuwirken. Sie unterstützt zugleich die Behörden dabei, tragfähige Entscheidungen zu treffen.“
Aus Sicht der Diakonie sollte die Beratung künftig früher im Verfahren ansetzen und enger mit den Angeboten des Bundesamtes abgestimmt werden. So könne schneller geklärt werden, ob Menschen eine Bleibeperspektive haben oder ob andere Schritte notwendig sind.
Schuch betont: „Gute Beratung schafft Orientierung – für Schutzsuchende ebenso wie für den Staat. Wenn Schutzbedarfe früh erkannt und Verfahren rechtssicher geführt werden, profitieren am Ende alle: die Betroffenen, das Bundesamt und die Gerichte. Das stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirkt Polarisierung entgegen.“
Die Evaluation liefere gute Gründe, die unabhängige Asylverfahrensberatung (AVB) dauerhaft zu sichern. Damit leiste sie auch einen Beitrag zu einer geordneteren Steuerung der Migration, wie sie die Bundesregierung anstrebe. Das Bundesinnenministerium hatte den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege Anfang des Jahres mitgeteilt, die AVB abschaffen zu wollen. Im Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2027 wurde der Ansatz im Kapitel 0603, Titel 68462 um 80 Prozent von 25 Millionen Euro auf fünf Millionen. Euro gekürzt. Die Evaluation wurde von der Forschungsstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), einer dem Bundesinnenministerium nachgeordneten Behörde, erstellt.
Unter dem Dach der Diakonie gibt es deutschlandweit über 50 Beratungsstellen für die Asylverfahrensberatung, in denen jährlich über 20.000 Menschen beraten werden.
Das BAMF-Forschungszentrum hat im Auftrag des Bundesministeriums des Innern die "Evaluation zur Implementierung der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung" durchgeführt. Der Forschungsbericht untersucht die Umsetzung des seit 2023 bestehenden Beratungsprogramms, das mit der Neufassung des §12a Asylgesetz die frühere staatliche Asylverfahrensberatung abgelöst hat. Seitdem werden unabhängige Träger, vor allem Wohlfahrtsverbände, mit der Durchführung einer behördenunabhängigen Beratung (buAVB) beauftragt. Die Finanzierung der buAVB erfolgt aus Bundesmitteln durch das BAMF.
Die Evaluation umfasst drei Teilbereiche:
- Zum einen wurde eine Schätzung des tatsächlichen Beratungsbedarfs von Asylsuchenden anhand verschiedener Datenquellen (Bedarfsanalyse) unternommen.
- Zum anderen wurden zentrale Prozessschritte und Schnittstellen zur Identifikation von Optimierungspotenzialen (Prozessanalyse) untersucht.
- Ergänzend dazu erfolgte eine Identifizierung potenzieller Wirkbereiche der buAVB. Eine kausale Wirkungsanalyse konnte im Projekt aufgrund einer unzureichenden Datenlage nicht durchgeführt werden.
Der Forschungsbericht wurde verfasst von: Wenke Gider (Ph.D. Koç Universität), Nelia Miguel Müller und Johannes Weber
Evaluation der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung: Herunterladen pdf, 3MB, barrierefrei
- Pressemitteilung der SPD-Fraktion im Bundestag: Evaluation zeigt: Ziele können mit unabhängiger Asylverfahrensberatung erreicht werden
22.07.2026, von Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher:
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat heute die Evaluation der unabhängigen Asylverfahrensberatung (AVB) veröffentlicht. Die AVB wurde von allen Befragten – darunter Beratungsfachkräfte, Träger, Zentralstellen und Bewilligungsbehörde grundsätzlich positiv bewertet.
„Gut, dass das BAMF endlich die Evaluation der AVB veröffentlicht hat. Hier werden die vielen positiven Aspekte der AVB deutlich herausgestellt. Durch die individuelle Beratung werden Asylsuchende in die Lage versetzt, gut informiert und selbstbestimmt ihr Verfahren zu durchlaufen. Abläufe und Entscheidungsprozesse im Asylverfahren können so besser nachvollzogen und akzeptiert werden. Soweit die Evaluierung aufgrund der vorliegenden Daten überhaupt einen Wirkungszusammenhang zwischen der individuellen Beratung und zum Beispiel einem effizienteren Ablauf des Asylverfahrens oder qualitativ besseren Bescheiden feststellen konnte, fällt auch dieser positiv aus. Allerdings ist klar ersichtlich, dass es für eine konkrete Wirkungsanalyse einer Verbesserung der Datengrundlage bedarf. Das ist auch eine der Handlungsempfehlungen der Evaluation.
Es ist gut, dass sich die Beratungsstrukturen der AVB etabliert haben und sich die mit der AVB verfolgten politischen Ziele in der Praxis nach der ersten Analyse zu erfüllen scheinen. Festgestellte Anlaufschwierigkeiten, wie die Sicherstellung eines noch frühzeitigeren Zugangs zu den Schutzsuchenden im Verfahren, können vergleichsweise leicht behoben werden. Auch hier gibt die Evaluierung wertvolle Hinweise.
Wichtig ist jetzt, dass wir die auskömmliche Finanzierung der AVB im parlamentarischen Haushaltsverfahren sicherstellen, damit die individuelle Beratung auch weiterhin gesichert ist.“
- nd 22.07.2026 von Mattias Monroy Selbst das Bamf lobt die Asylberatung – doch Dobrindt sägt daran
Eine Studie des Bundesamts für Migration bestätigt den Nutzen der unabhängigen Beratung von Schutzsuchenden. Die Union ist dagegen, die SPD dafür.
Das Forschungszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung (AVB) evaluiert. Der mit einem halben Jahr Verspätung vorgelegte Bericht bestätigt die Wichtigkeit der unabhängigen Stellen: 70 970 Menschen suchten beispielsweise 2024 eine der 189 im Bundesgebiet verteilten Beratungsstellen auf. Die Beratungsquote stieg von 26,7 Prozent im zweiten Halbjahr 2023 auf 40,6 Prozent im Gesamtjahr 2024...
Kürzungen trotz positiver Bewertung
... Die Veröffentlichung der Evaluation fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung die Mittel für das AVB-Programm drastisch reduzieren will. Die Kürzungspläne werden mit der Geas-Reform begründet, die das europäische Asylsystem grundlegend umbaut. Mit dem am 12. Juni 2026 in Kraft getretenen Geas-Anpassungsgesetz wird eine neue behördliche Rechtsauskunft eingeführt.