Frontex-Zahlen: Deutlich weniger Menschen "irregulär" in Europa angekommen

15.01.2026 Den Rückgang der Zahlen führt Frontex-Chef Leijtens auf Migrationsabkommen und die Zusammenarbeit mit Küstenwachen zurück - beides aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen fragwürdig.

"Dieser Rückgang zeigt, dass Zusammenarbeit Ergebnisse bringen kann." 2026 werde ein entscheidendes Jahr für das europäische Grenzmanagement sein, so Leijtens.

 

Im vergangenen Jahr hat die irreguläre Migration in die EU deutlich abgenommen. Dies geht aus Zahlen der Grenzschutzagentur hervor, die der ARD vorliegen. Frontex führt das auch auf Migrationsabkommen zurück.

Im Vergleich zum Vorjahr hat die EU 26 Prozent weniger irreguläre Grenzübertritte in die Unionsstaaten registriert. Verglichen mit dem Jahr 2023 waren es sogar weniger als halb soviel.

Nach den Zahlen der EU-Grenzschutzagentur Frontex, die dem ARD-Studio Brüssel vorab vorliegen, sind im vergangenem Jahr knapp 178.000 Menschen irregulär in die EU eingereist - also ohne gültige Papiere oder ohne Einreise- bzw. Aufenthaltsgenehmigung. Das ist der niedrigste Stand seit 2021.

Deutlich mehr Ankünfte auf Kreta

Die Haupteinreise-Route, mit konstant hohen Zahlen, bleibt das zentrale Mittelmeer, meist mit Ankunft an der italienischen Küste. Rückgänge verzeichnet Frontex vor allem auf zwei Wegen nach Europa: Rund 60 Prozent weniger Menschen kamen über die Westafrika-Route. Diese führt aus Mauretanien, Marokko und dem Senegal in Richtung der Kanarischen Inseln und dann auf das spanische Festland.

Auch die östliche Mittelmeerroute über die Türkei nach Griechenland und Zypern wählten rund ein Drittel weniger Menschen als im Jahr zuvor. Mit einer Ausnahme: Ankünfte auf der griechischen Insel Kreta verdreifachten sich 2025. Startpunkt ist dabei meist Libyen.

Migrationsabkommen zeigen Wirkung

Nach Angaben von Frontex blieb Libyen das Land, aus dem sich weiterhin Menschen vielerlei Nationalitäten am häufigsten auf den Weg nach Europa machen. In vielen anderen nordafrikanischen Staaten - wie Tunesien, Algerien und Ägypten - sorgen Migrations- und Kooperationsabkommen mit der EU dafür, dass die dortige Küstenwachen gestärkt, Schleusernetzwerke zerschlagen und Fluchtwillige aufgehalten werden.

"Der Trend geht in die richtige Richtung, aber die Risiken verschwinden nicht", sagte Hans Leijtens, Exekutivdirektor von Frontex. "Dieser Rückgang zeigt, dass Zusammenarbeit Ergebnisse bringen kann." 2026 werde ein entscheidendes Jahr für das europäische Grenzmanagement sein, so Leijtens.

Im Juni wird der EU-Pakt für Migration und Asyl vollständig in Kraft treten. Dieser beinhaltet weitreichende Reformen - wie etwa verstärkten Grenzschutz unter Koordination von Frontex, schnelle Asylverfahren an den EU-Außengrenzen, schnelle Abschiebungen sowie eine digitale EU-weite Erfassung aller Ein- und Ausreisen.