NRW: Jahresbericht Jahresbericht der unabhängigen Abschiebungsbeobachtung für Berichtszeitraum 2025 vorgestellt

07.07.2026 Das Forum Flughäfen und die beiden unabhängigen Abschiebebeobachter*innen im Dienste der Diakonie stellten auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf den Jahresbericht der unabhängigen Abschiebungsbeobachtung für das vergangene Jahr vor. Über die Zahlen, die besondere Problematik und die zu erwartende Entwicklung in Zusammenhang mit Abschiebungen berichteten zahlreiche Medien.

Die Abschiebungsbeobachtung NRW beobachtet stichpunktartig Abschiebungen an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn ab der Übergabe der Personen am Flughafen bis zur Flugzeugtür und trägt Beobachtungen an das Forum Flughäfen in NRW (FFiNW) heran. Das FFiNW besteht aus staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren, die beobachtete Fälle, die seitens der Nichtregierungsorganisationen (NROs) Fragen aufwerfen und/oder durch diese als problematisch bewertet werden, besprechen. (aus dem Jahresbericht)

Der Jahresbericht ist hier als PDF zu finden.

"Der Schutz von vulnerablen Personen hat dem Anstieg der Abschiebezahlen nicht stand gehalten", zitiert der WDR den Abschiebebeobachter Sayin.

3216 Menschen wurden im Jahr 2025 von Flughäfen in Nordrhein-Westfalen aus abgeschoben, knapp 200 mehr als im Vorjahr. Die Abschiebungen teilen sich auf, etwa die Hälfte der Menschen wurde bei 43 Sammelabschiebungen außer Landes gebracht. Judith Fisch und Mert Sayim arbeiten bei der Diakonie als unabhängige Abschiebebeobachter*innen. Sie teilen sich eine Vollzeitstelle. Trotz dieser begrenzten Ressourcen schafften sie es, 30 der 43 Sammelabschiebungen und 60 Einzelabschiebungen zu beobachten. Am Dienstag stellten sie in Düsseldorf ihren Jahresbericht für 2025 vor. (nd)

"Der Schutz von vulnerablen Personen hat dem Anstieg der Abschiebezahlen nicht stand gehalten", zitiert der WDR den Abschiebebeobachter Sayin.

Für das Jahr 2025 stellen die Abschiebebeobachter*innen fest, dass Abschiebungen »unter erheblichem politischen und organisatorischen Druck« durchgeführt wurden. »Unsere Beobachtungen zeigen, dass bestehende Schutzverpflichtungen, insbesondere gegenüber vulnerablen Personen, im Abschiebungsvollzug weiterhin nicht durchgängig berücksichtigt werden«, kritisiert Mert Sayim. Unter dem zunehmenden Druck, Abschiebungen durchzusetzen, drohten »humanitäre und menschenrechtliche Belange in den Hintergrund zu treten«, so der Abschiebebeobachter. »Deswegen muss der Schutz vulnerabler Menschen, etwa von Kindern oder schwer kranken Personen, von Anfang an verbindlich in allen Abläufen verankert und konsequent umgesetzt werden.« Sayims Kollegin Judith Fisch ergänzt: »Der Schutz vulnerabler Personen muss von Anfang an in allen Abläufen mitgedacht und verpflichtend umgesetzt werden. Andernfalls bleiben bestehende Schutzverpflichtungen in der Praxis zu oft wirkungslos.« (nd, s. unten)

 

Von den NRW-Flughäfen wurden im vergangenen Jahr mehr Menschen abgeschoben als 2024. Dabei lief nicht immer alles reibungslos.

Mehr als 3.200 Menschen haben NRW per Flugzeug vergangenes Jahr dauerhaft verlassen müssen, berichten Vertreter des Forums Flughäfen in Nordrhein-Westfalen am Dienstagmorgen auf einer Pressekonferenz. Das seien sieben Prozent mehr Abschiebungen als noch 2024. Grund für den Anstieg sei die sogenannte Rückführungsoffensive der Bundesregierung.

Abschiebungen nicht ohne Probleme

Auch weiter werden die meisten Abschiebungen in NRW über den Flughafen Düsseldorf abgewickelt. Begleitet werden viele Abschiebeverfahren am Flughafen von unabhängigen Beobachtern wie Mert Sayim. Trotz positiver Entwicklungen beim Vorgehen von Behörden beobachtet er immer wieder Probleme im Abschiebeprozess.

So würden bei Menschen, die unangekündigt abgeschoben werden, wiederholt die Mobiltelefone durch Beamte beschlagnahmt. Anrufe bei Anwälten oder Familienmitgliedern seien so nicht mehr möglich. "Der Schutz von vulnerablen Personen hat dem Anstieg der Abschiebezahlen nicht stand gehalten", erklärt Sayim, der im Auftrag des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe Einzel- und Gruppenabschiebungen in NRW begleitet. "Wir haben beispielsweise immer wieder erlebt, wie Kinder die Fesselung ihrer eigenen Eltern miterleben mussten - teilweise über längere Zeit", so Sayim... 

 

Seit 25 Jahren gibt es am Flughafen Düsseldorf die Abschiebebeobachtung. Sie kritisiert fehlende Standards und den Umgang mit verwundbaren Gruppen.

3216 Menschen wurden im Jahr 2025 von Flughäfen in Nordrhein-Westfalen aus abgeschoben, knapp 200 mehr als im Vorjahr. Die Abschiebungen teilen sich auf, etwa die Hälfte der Menschen wurde bei 43 Sammelabschiebungen außer Landes gebracht...

Für das Jahr 2025 stellen die Abschiebebeobachter*innen fest, dass Abschiebungen »unter erheblichem politischen und organisatorischen Druck« durchgeführt wurden. »Unsere Beobachtungen zeigen, dass bestehende Schutzverpflichtungen, insbesondere gegenüber vulnerablen Personen, im Abschiebungsvollzug weiterhin nicht durchgängig berücksichtigt werden«, kritisiert Mert Sayim. Unter dem zunehmenden Druck, Abschiebungen durchzusetzen, drohten »humanitäre und menschenrechtliche Belange in den Hintergrund zu treten«, so der Abschiebebeobachter. »Deswegen muss der Schutz vulnerabler Menschen, etwa von Kindern oder schwer kranken Personen, von Anfang an verbindlich in allen Abläufen verankert und konsequent umgesetzt werden.« Sayims Kollegin Judith Fisch ergänzt: »Der Schutz vulnerabler Personen muss von Anfang an in allen Abläufen mitgedacht und verpflichtend umgesetzt werden. Andernfalls bleiben bestehende Schutzverpflichtungen in der Praxis zu oft wirkungslos.«

Die Abschiebebeobachtung am Düsseldorfer Flughafen gibt es seit 25 Jahren. Anlass ihrer Gründung war der Tod des sudanesischen Asylantragstellers Aamir Ageeb im Jahr 1999 während einer Abschiebungsmaßnahme vom Flughafen Frankfurt. Die Evangelische Kirche im Rheinland wollte mehr Transparenz bei Abschiebungen schaffen. Gemeinsam mit Landesministerien, der Bundespolizei und Wohlfahrtsverbänden gründete sie das Forum Flughäfen in Nordrhein‑Westfalen (FFINW). Kurz darauf nahm mit dem »Düsseldorfer Modell« die bundesweit erste unabhängige Abschiebungsbeobachtung ihre Arbeit auf. Seit 25 Jahren fordert die Diakonie eine bundesweite gesetzliche Grundlage für die Abschiebungsbeobachtung – bisher ohne Erfolg. Bayern etwa lässt bislang keine Beobachtung zu.

Dabei gibt die seit 2008 geltende EU‑Rückführungsrichtlinie die Einrichtung eines verpflichtenden unabhängigen Monitorings von Abschiebungen durch die Mitgliedstaaten vor. Mit der Geas-Reform ist ein unabhängiges Monitoring von Abschiebungen sogar als verbindlich vorgesehen. Neben einer gesetzlichen Grundlage fordern die Abschiebebeobachter*innen einen gesicherten Zugang zu allen Phasen einer Abschiebung und eine finanzielle Absicherung der Beobachtungsstellen. Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werks im Rheinland und in Westfalen, charakterisiert die Abschiebebeobachtung als »wichtiger denn je«. Sie ermögliche »Transparenz in einem Bereich staatlichen Handelns, der für die Öffentlichkeit sonst kaum zugänglich ist.« ...