Spenden für Bonner Flüchtlingshelfer*innen überwiesen

Betreuung und Beratung von Flüchtlingen erfordern Geld – Unterstützungsaktion „Von Aleppo nach Beuel“ wird abgeschlossen. Nicht mehr benötigte und nicht länger  zweckgebundene Spendengelder helfen anderen Hilfsorganisationen

21.11.2019 Im Frühjahr 2014 entschlossen sich acht Frauen und Männer, durch private Bürgschaften (Verplichtungserklärungen) zwei Familien aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet den geregelten Zuzug nach Beuel zu ermöglichen. Um die Bürgen solidarisch zu unterstützen und privat zu entlasten, sprangen ihnen Privatleute und Kirchengemeinden großzügig bei. An der Seite der „Beueler Initiative gegen Fremdenhass“ konnten Spenden in Höhe von insgesamt 120.000 Euro eingeworben werden. Damit wurde die Reise der vier Erwachsenen und vier Kinder finanziert und Wohnungsmieten, Ausstattung und der monatliche Lebensunterhalt entsprechend der Verpflichtung bezahlt. Als die Asylanträge der Geflüchteten bewilligt wurden und das Jobcenter all diese Leistungen übernahm, war mehr als die Hälfte des Spendenaufkommens verbraucht.

Der Restbetrag verblieb auf dem Spendenkonto, denn bis vor wenigen Monaten war rechtlich umstritten, ob das Jobcenter seine Leistungen nicht von den Bürgen zurückfordern würde. Nunmehr ist klar: Es gibt keine Zahlungsverpflichtung mehr.

Die Bürgen trafen sich daraufhin ein letztes Mal. Sie blickten zurück auf das gemeinsame Projekt, das so viel länger dauerte als gedacht. Trotz der langen „Zitterpartie“ über die Dauer der Verpflichtung und möglicher Ansprüche bedauerte niemand die damals spontane Hilfsbereitschaft und das Engagement. Mit einer Empfehlung zur Umwidmung des nun nicht mehr zweckgebundenen Spendengelder (ca. 45.000 Euro) beendeten sie ihre Solidargemeinschaft. „Wir danken allen Spenderinnen und Spendern für ihre Großzügigkeit, mit der sie das Risiko mit uns geteilt und uns entlastet haben. Wir sind überzeugt, dass die Weitergabe des Geldes an Bonner Vereine für ihre Flüchtlingshilfe hier und für die Unterstützung von alleinstehenden Kindern und Jugendlichen in den Ruinen von Aleppo in ihrem Sinne ist.“

Auf der Grundlage ihrer Empfehlung und des Antrages der „Beueler Initiative gegen Fremdenhass beschloss der „Förderverein der Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit“, der das Spendenkonto über den Fünfjahreszeitraum getreulich verwaltete, am 18.11.2019, die verbliebene Summe wie folgt auszuzahlen: 20 % für AsA (Ausbildung statt Abschiebung e.V.), 20 % für den Kölner Flüchtlingsrat e.V., 10 % für Medinetz e.V., 10 % für die Bonner Tafel e.V.,  5  %  für Abenteuer Lernen e.V.,  5 % für die Beueler Initiative gegen Fremdenhass und 30 %  für die Franziskanische Kinderhilfe Aleppo der Missionszentrale der Franziskaner e.V. (https://mzf.org/projekte/aleppo_kinderhilfe/)
 

Flüchtlinge von damals sind Nachbarn in Beuel geworden

Zum Abschluss des Projektes gehört natürlich auch ein Blick auf die Menschen, die 2014 zu uns nach Beuel kamen. In ihrer Betreuung und Begleitung haben ihre Unterstützer*innen gelernt, wie mühsam die Alphabetisierung und das Deutschlernen in der Schule und den Integrationskursen sind. Die Kleinsten haben es da am leichtesten. Mittlerweile sind die Familienväter in Arbeit, die älteren Kinder sind erwachsen und haben eigene Familien gegründet, die jüngeren Kinder und ein hier geborenes Kind sind erfolgreich in Schule und Kindergarten integriert. Eine besondere Betreuung auf ihren Wegen benötigen sie alle nicht mehr.

Bernhard Bergmann (für die Bürgengemeinschaft)

Monika Bühler und Susanne Rohde (für die Beueler Initiative gegen Fremdenhass)

Sigrid Figge (für den Förderverein Bürgerinitiativen gegen Fremdenfeindlichkeit e.V.)

Bonn-Beuel, 21.11.2019