20.08.2026 Seit Tagen gibt es schon Gerangel zwischen der deutschen und der italienischen Regierung zum Dublin-Abschiebungen von Deutschland zurück nach Italien. Aktuell geht es um eine Abschiebung, prinzipiell um weitere, die durch GEAS möglich werden.
Nun erregt ein Fall Aufsehen, der nicht nur zeigt, wie populistische Entscheidungen der eigenen Innenpolitik schaden können, sondern auch, wie skrupellos das deutsche Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) seine Interessen durchzudrücken bereit ist. Es geht um eine junge Somalierin, die in den Abschiebeflieger gesetzt werden soll, weil ihr Erstland innerhalb der EU Italien ist. Bedacht wurde jedoch nicht, dass vorab mit dem Aufnahmeland kommuniziert werden muss. Auch gilt GEAS nicht rückwirkend; die Frau reiste bereits im März ein. (FR, Merkur)
Dagegen rechnet Italien auf, dass mehr als 42.000 Migranten mit deutscher Beteiligung nach Italien kamen (Rettungsschiffe, Hilfsorganisationen) und verlangt Kompensation.
Nach Angaben des italienischen Innenministeriums brachten deutsche Hilfsorganisationen seit Oktober 2022 rund 22.500 Migranten nach Italien. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum etwa 42.300 Menschen mit privaten Rettungsschiffen in italienischen Häfen an. Zählt man weitere 4500 Migranten auf Schiffen unter deutscher Flagge hinzu, führt Rom fast zwei Drittel aller Ankünfte auf eine Beteiligung Deutschlands zurück.
Innenminister Matteo Piantedosi hatte zuletzt gefordert, Deutschland müsse Italien in irgendeiner Form dafür entschädigen. ... berichtet. Erst dann könne über die nach den Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) vorgesehene Rücknahme von Migranten gesprochen werden. (WELT)
Gestern gab es einen telefonischen Austausch der Außenminister.
Nach einem Gespräch mit Johann Wadephul hat Italiens Außenminister mehr Kooperation angekündigt. Die Frage, ob Italien Geflüchtete zurücknehmen wird, ließ er offen.
Noch ist offen, wer sich durchsetzt. Über den Streit der Hardliner berichten zahlreiche Medien.
Für die Schutzsuchende, die im Mittelpunkt des Hinundher stand, gibt es jetzt Kirchenasyl, um in Sicherheit zu leben:
Stephan Reichel vom Verein „matteo – Kirche und Asyl e.V.“: „Wir haben die von ihrer Flucht schwer angeschlagene und verängstigte F., deren Familie mit Anerkennung und Asyl in Deutschland lebt, heute Mittag (Dienstag, K.T.) in einem Kirchenasyl in Nürnberg in Schutz genommen. F. wird so lange in unserem Schutz bleiben, bis Deutschland dem Wunsch Italiens nachkommt, die Überstellung endgültig abzusagen“. "Wir warten nun darauf, dass das BAMF auf den deutlichen Wunsch der italienischen Regierung hin die Abschiebung aufhebt.“ (FR, Merkur)
- Merkur 20.08.2026 Rettung vor Dobrindts Abschiebeflug nach Italien: Frau flüchtet ins bayerische Kirchenasyl
... Ein aktueller Fall nun zeigt, welche Folgen populistische Politik für die eigene Innenpolitik wie im Fall Meloni haben kann – und wie weit das deutsche Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) für die eigenen Interessen zu gehen bereit ist. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau aus Somalia, die abgeschoben werden soll, weil sie zuerst in Italien EU-Boden betreten hat. Dabei wurde offenbar versäumt, das Zielland vorab zu informieren – was eigentlich Voraussetzung ist. Hinzu kommt: Das GEAS gilt nicht rückwirkend, doch die Frau war bereits im März eingereist.
Rom ließ denn auch deutschen Alleingang nicht widerspruchslos geschehen: Italiens Innenminister Matteo Piantedosi stoppte den geplanten Abschiebeflug, wobei neben der Somalierin zwei weitere Personen betroffen waren. Die drei wären die ersten gewesen, die seit vier Jahren nach Italien überstellt worden wären – einem Land, in dem viele Geflüchtete ohne jede Unterstützung auf der Straße leben...
- FR 19.08.2026 von Katja Thorwarth Trotz Meloni-Veto: Dobrindt will Somalierin nach Italien abschieben – Frau flüchtet ins Kirchenasyl
Die Merz-Regierung will eine Somalierin nach Italien abschieben – und ignoriert dabei EU-Regeln und ein Meloni-Veto. Jetzt die Wende: Die Frau ist im Kirchenasyl.
... Doch Dobrindts Innenministerium scheint sich von der Aufregung im Nachbarland nicht beeindrucken zu lassen, denn wie Stephan Reichel vom Verein „matteo – Kirche und Asyl e.V.“ mitteilt, sei die Abschiebung der jungen Frau und anderer Betroffener nach Italien nicht gestoppt worden: „Die von der Zentralen Ausländerbehörde Unterfranken angekündigte Abschiebung“ sei bislang nicht widerrufen worden.
Wir warten nun darauf, dass das BAMF auf den deutlichen Wunsch der italienischen Regierung hin die Abschiebung aufhebt.“
Nach einem Gespräch mit Johann Wadephul hat Italiens Außenminister mehr Kooperation angekündigt. Die Frage, ob Italien Geflüchtete zurücknehmen wird, ließ er offen.
Deutschland und Italien wollen sich nach den Worten des italienischen Außenministers Antonio Tajani um eine engere Abstimmung bei dem Thema Migration bemühen. Beide Seiten seien sich einig über »die Notwendigkeit, einen maximalen Schutz an den europäischen Außengrenzen zu gewährleisten«, sagte Tajani nach einem Telefonat mit Außenminister Johann Wadephul (CDU).
Zur umstrittenen Frage, ob Italien Asylsuchende zurücknehmen muss, die über Italien in die EU kamen und anschließend nach Deutschland weitergereist sind, äußerte sich der Politiker nicht. Deutschland will solche Flüchtlinge nach den geltenden EU-Regeln wieder nach Italien zurückschicken. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni lehnt eine Aufnahme bislang jedoch ab...
- Merkur 19.08.2026 Italien fordert „Kompensation“ für 22.000 Migranten – Dobrindt-Ministerium bezieht Stellung
Der Streit um Abschiebungen zwischen Rom und Berlin verschärft sich: Melonis Innenminister fordert eine Gegenleistung für Migranten, die mithilfe deutscher Seenotretter nach Italien gelangt sind...
Der Konflikt zwischen Berlin und Rom in der Migrationspolitik erreicht eine neue Stufe. Italiens Innenminister Matteo Piantedosi fordert von Deutschland jetzt eine „Kompensation“ für illegale Migrantinnen und Migranten, die mithilfe deutscher NGOs in sein Land gelangten. Er untermauert diese Forderung mit Zahlen des italienischen Innenministeriums: Seit dem Amtsantritt von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im Oktober 2022 hätten deutsche NGO-Schiffe rund 22.500 Migranten in italienische Häfen gebracht.
Von insgesamt etwa 42.300 Menschen, die seit Melonis Amtsantritt mit privaten Rettungsschiffen in Italien ankamen, würde damit mehr als die Hälfte auf Schiffe deutscher Hilfsorganisationen entfallen, rechnet das Innenministerium in Italien vor. Weitere 4500 Bootsmigranten seien mit Schiffen anderer europäischer NGOs angekommen, deren Schiffe aber unter deutscher Flagge fuhren...
Welche Art von Kompensation dem Meloni-Minister von der deutschen Bundesregierung vorschwebt, ist bisher unklar. Es könnte aber darum gehen, Ankünfte mithilfe deutscher NGOs gegen von Deutschland geforderte Rücküberstellungen von Migranten nach Italien aufzurechnen.
Dies könnte zu einer neuen Belastungsprobe zwischen Berlin und Rom führen ...
- WELT 18.08.2026 Binnen vier Jahren Mehr als 22.000 Mittelmeer-Flüchtlinge erreichten Italien offenbar mit deutschen NGO-Schiffen
In der Debatte um den Umgang mit illegaler Migration in der EU erhöht Italien den Druck auf ...
Nach Angaben des italienischen Innenministeriums brachten deutsche Hilfsorganisationen seit Oktober 2022 rund 22.500 Migranten nach Italien. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum etwa 42.300 Menschen mit privaten Rettungsschiffen in italienischen Häfen an. Zählt man weitere 4500 Migranten auf Schiffen unter deutscher Flagge hinzu, führt Rom fast zwei Drittel aller Ankünfte auf eine Beteiligung Deutschlands zurück.
Innenminister Matteo Piantedosi hatte zuletzt gefordert, Deutschland müsse Italien in irgendeiner Form dafür entschädigen. ... berichtet. Erst dann könne über die nach den Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) vorgesehene Rücknahme von Migranten gesprochen werden.
Deutschland will bis Mitte der Woche zunächst drei Migranten nach Italien überstellen, die dort erstmals EU-Boden betreten hatten und erst anschließend in Deutschland einen Asylantrag stellten. Die italienische Regierung hat jedoch bereits signalisiert, die Betroffenen womöglich nicht einreisen zu lassen und sie unmittelbar wieder nach Deutschland zurückzuschicken.
Scharfe Kritik an den Hilfsorganisationen übte erneut Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini. Der Lega-Politiker forderte die Regierungen in Deutschland und Spanien auf, ihre NGOs „zurückzupfeifen“, damit diese nicht länger „illegale Einwanderer“ an die italienische Küste brächten.
- FR 15.08.2026 Blamage für Dobrindt: Italien stoppt Abschiebungen aus Deutschland – Meloni mit Eigentor
München – Am 12. Juni 2026 trat das EU‑Asylsystem (GEAS) in Kraft, das die Regeln für Asylverfahren und Schutzstandards in allen Mitgliedstaaten vereinheitlicht, aber gleichsam das Recht auf Schutz massiv einschränkt. Das heißt unter anderem, dass Geflüchtete in das Erstaufnahmeland abgeschoben werden dürfen, und zwar ohne vorheriges Asylverfahren. Das betrifft in der Regel Italien oder Griechenland.
Mitverantwortlich für diese Verschärfung ist auch die italienische Ministerpräsidentin Georgia Meloni von der postfaschistischen Fratelli d’Italia – und ihr fällt das jetzt auf die Füße. Denn ein Fall erregt aktuell die Aufmerksamkeit italienischer Medien und könnte gar für Spannungen zwischen Berlin und Rom sorgen. Das Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) wollte eine junge Somalierin in den Abschiebeflieger setzen, weil ihr Erstland innerhalb der EU Italien ist. Nur hat er zwei Dinge nicht bedacht: Zum einen muss vorab mit dem Aufnahmeland über die Abschiebung kommuniziert werden; zum anderen gilt GEAS nicht rückwirkend; die Frau reiste bereits im März ein.