25.08.2026 noch einmal aktualisiert: Der Streit weitet sich aus, auch weitere EU-Staaten wie Österreich, der Schweiz, Finnland, Schweden, die Niederlanden und Irland pochen auf Einhaltung der Dublin-Regelungen. Diese waren schon immer ungerecht gegenüber den überforderten Erstaufnahmeländern an der EU-Außengrenze Mittelmeer, im Interesse und zum Vorteil Deutschlands und anderer mittel- und nordeuropäischen Staaten. Daran hat wohl auch GEAS mit dem "Solidaritätsmechanismus" nichts geändert.
Italien will nun gegenüber Deutschland die von NGO´s Geretteten gegen die Rücknahme von Asylsuchenden im Dublin-Verfahren aufrechnen. Weil die Innenminister der Kontrahenten jeweils starr eigene Interessen migrationsfeindlicher Innenpolitik verfolgen, wird vermutlich auch ihr Treffen Anfang September ohne Lösung bleiben. Verlierer in diesem Streit werden vermutlich die Zehntausende Schutzsuchenden sein, die in Ungewissheit und prekär ausharren müssen, statt endlich in Sicherheit anzukommen.
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- nd 25.08.2026 von Matthias Monroy Rom instrumentalisiert Geflüchtete gegen deutsche Seenotretter
Italien will keine Dublin-Fälle aus Deutschland zurücknehmen – seit Jahren. Hinter dem künstlich hochgekochten Streit stehen aber Deals mit Libyen.
Italienische Behörden haben das deutsche Rettungsschiff »Sea-Watch 5« für 45 Tage im Hafen von Neapel festgesetzt und gegen die Organisation Sea Watch eine Geldstrafe in Höhe von 7500 Euro verhängt. Die Crew habe am 13. August sechs Menschen im Mittelmeer gerettet und anders lautende Anweisungen der libyschen Küstenwache ignoriert, so der Vorwurf des italienischen Innenministeriums...
Italien will Gerettete mit Dublin-Fällen »verrechnen«
Nun erhöht Rom den Druck auf die deutschen Rettungsorganisationen: Bis auf Weiteres wolle die Regierung keine Asylsuchenden zurücknehmen, die nach Deutschland weitergereist waren, deren Verfahren gemäß der Dublin-Regelung aber in Italien geführt werden müssen. Dublin-Überstellungen sollen stattdessen mit Menschen »verrechnet« werden, die von deutschen Schiffen nach Italien gebracht wurden. Allein für 2026 betreffe dies rund 2200 Migrant*innen.
Die Ankündigung machte vergangene Woche der Vize-Regierungschef Matteo Salvini und Vorsitzende der rechtsextremen Partei Lega, der 2019 als Innenminister den Kleinkrieg gegen deutsche Seenotretter begann, als er Carola Rackete, Kapitänin der »Sea-Watch 3«, verurteilt sehen wollte. Heute ist Salvini Verkehrsminister – und damit weiterhin für den Umgang mit Rettungsschiffen zuständig. Auch Ministerpräsidentin Meloni (Fratelli d’Italia) und Innenminister Matteo Piantedosi (parteilos) beharren gegenüber Deutschland auf einer »ausgewogenen Lösung«.
Italien verweigerte Rücknahme zu rund 80 000 Personen
Den neuen Vorstoß begründete Salvini damit, dass die Asylsuchenden von deutschen Hilfsorganisationen nach Italien gebracht worden seien, Deutschland mithin Verantwortung für diese Menschen trage. Sie werden als »Sekundärmigranten« bezeichnet, um deren Rücknahme es schon immer Streit gegeben hat: Nach offiziellen Angaben hat Italien seit 2023 Rücknahmeersuchen aus EU-Staaten zu rund 80 000 Personen abgewiesen und dies mit einem überlasteten Aufnahmesystem begründet...
Italien argumentiert, gemäß dem Seerecht werde der Flaggenstaat – meist Deutschland – zum Erstaufnahmeland von an Bord genommenen Bootsflüchtlingen. Allerdings ist dies eine politische Auslegung: Denn Konventionen zur Seenotrettung schreiben vor, dass die Menschen in einen nächstgelegenen sicheren Hafen gebracht werden müssen.
In Wirklichkeit dreht sich der Streit um die Frage, ob auch Tunesien oder Libyen als »sicherer Hafen« angesehen werden können. Zu Libyen hatte der Europäische Menschenrechtsgerichtshof dies im sogenannten Hirsi-Urteil von 2012 verneint: Behörden von EU-Staaten sowie die Grenzagentur Frontex müssen sich an dieses Verbot von Zurückweisungen halten.
Italien indes arbeitet immer enger mit der sogenannten libyschen Küstenwache zusammen...
»Ein deutsch beflaggtes Schiff ist kein deutscher Grenzübergang«, sagte dazu Giulia Messmer von Sea Watch zu »nd«. Die italienische Argumentation bezeichnet sie als »Fantasierecht, kein Völkerrecht«.
»Es ist unsäglich, wie die deutschen und italienischen Regierungsmitglieder über Menschen streiten, die Zuflucht suchen«, sagt dazu Marcel Emmerich, innenpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. Seit Jahren weigerten sich der eine seinen rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen, und der andere bei der Aufnahme von aus Seenot Geretteten zu unterstützen. »Leidtragende dieses Streits sind die zivilen Seenotrettungsorganisationen, die dort einspringen, wo die Staaten versagen«, so Emmerich zu »nd«.
Der Druck zur Umsetzung von Überstellungsersuchen gemäß der Dublin-Richtlinie kommt allerdings auch aus Staaten wie Österreich, der Schweiz, Finnland, Schweden, den Niederlanden und Irland. Der am 12. Juni in Kraft getretene neue EU-Asyl- und Migrationspakt (Geas) sollte derartige Verfahren eigentlich erleichtern, indem keine Ablehnungen mehr möglich sind – seitdem soll es aber nur insgesamt drei tatsächliche »Rückführungen« aus Österreich gegeben haben...
»Die Geas-Reform hat das ungerechte Dublin-System im Kern unverändert gelassen – und die Bundesregierung will es mit Zwang und Härte durchsetzen. Menschen, die Schutz suchen, werden in Europa nach wie vor zur Verschiebemasse degradiert«, sagt Clara Bünger, fluchtpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion.
So sieht es auch Sea Watch: »Geas hat den Konstruktionsfehler des Dublin-Systems nicht behoben, sondern neu verpackt. Die Reform zerfällt in der Praxis, kaum dass sie angewendet werden soll«, erklärte die NGO am Dienstag.
23.08.2026 aktualisiert: Der Streit zwischen der deutschen und der italienischen Regierung um Konsequenzen aus GEAS wird fortgesetzt.
- FR 23.08.2026 von Rinaldo Frignani Dublin-Migranten: Warum Italien Rücknahmen verweigert – und was Europa jetzt plant Fakten zum Streit: Zahlen, Fragen und Antworten
... Wie viele Migranten könnten nach Italien zurückkehren?
Im Jahr 2025 hat Rom 24.152 Rückübernahmeersuchen aus europäischen Staaten erhalten und 85 davon akzeptiert. Insgesamt hat Italien mit dem Rundschreiben des Innenministers Matteo Piantedosi vom 5. Dezember 2022 bis zum 31. Dezember 2025 rund 80.000 Anträge abgelehnt und die Transfers damit faktisch auf null reduziert. Zwischen 2018 und 2022 kehrten hingegen 17.605 Personen zurück, mit einem Höchststand im Jahr 2018 von 6468. Laut Eurostat-Daten befinden sich in Deutschland 35.993 Migranten, für die ein Überstellungsantrag gestellt wurde (5377 tatsächliche Transfers bis 2025), in Frankreich etwa 30.000. Sicherlich sind nicht alle „abreisebereit“. In der Schweiz werden 3784 zu überstellende Migranten gezählt, doch viele von ihnen haben dort Schutz oder ihre Anträge befinden sich noch im Prüfverfahren, sodass die Zahl auf 652 Personen sinken würde.
... Ist eine Ausgleichszahlung zur Unterstützung der Ersteinreiseländer vorgesehen?
Der EU-Pakt sieht Solidaritätsmechanismen zugunsten von Staaten wie Italien vor, die unter starkem Migrationsdruck stehen. Das System umfasst verschiedene Optionen: die Aufnahme eines Anteils an Umverteilungen von bis zu 30.000 Personen pro Jahr auf europäischer Ebene und einen Ausgleichsbeitrag von 20.000 Euro für jeden nicht umverteilten Migranten, der in den gemeinsamen Solidaritätsfonds einzuzahlen ist. Daneben sollen auch alternative und logistische Unterstützungsmaßnahmen für den Ankunftsstaat gelten.
- ZEIT / dpa 23.08.2026 Rom und Berlin streiten über Bootsflüchtlinge
Der Streit zwischen Deutschland und Italien über den Umgang mit Bootsflüchtlingen aus dem Mittelmeer hat sich verschärft. Der italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini verkündete, sein Land werde aus Deutschland keinen einzigen «illegalen Einwanderer» zurücknehmen, solange deutsche Hilfsorganisationen mit Schiffen im Mittelmeer unterwegs seien. Die Bundesregierung verweist hingegen auf bestehende EU-Regelungen - auch auf den neuen Asyl- und Migrationspakt, der seit diesem Sommer gilt.
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, warnte: «Wenn Italien diese Haltung beibehält, sprengt es das neue europäische Asylsystem Geas, das gerade seit wenigen Wochen in Kraft ist.» ... Throm warnte vor einer Kettenreaktion in anderen europäischen Ländern.
Italiens rechte Dreier-Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begründet ihre ablehnende Haltung damit, dass deutsche Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf ihren Schiffen seit Jahren immer wieder Flüchtlinge an Bord nehmen, die auf dem Mittelmeer in Not sind oder geraten könnten, um sie dann in italienische Häfen zu bringen. Nach Angaben aus Rom waren dies allein seit Beginn des Jahres 2.200 Migranten...
... Melonis Vize Salvini verschärfte den Ton jetzt abermals. Bei einem Treffen seiner rechten Partei Lega sagte der Verkehrsminister: «Deutschland hat kein Recht, uns auch nur einen einzigen illegalen Einwanderer zurückzuschicken, solange deutsche NGO-Schiffe im Mittelmeer unterwegs sind, um Tausende illegale Einwanderer in Italien und Europa an Land zu bringen.» ...
Rom: 80.000 Rücknahmeersuchen zurückgewiesen
Auch andere europäische Staaten wie Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Schweden und Finnland haben inzwischen angekündigt, Migranten nach Italien zurückzuschicken. Dem italienischen Innenministerium zufolge wurden seit Beginn des Jahres aus europäischen Partnerländern lediglich drei Migranten zurückgenommen. Aus Deutschland war kein einziger dabei.
Zuvor schon hatte Italien nach offiziellen Angaben seit 2023 rund 80.000 sogenannte Rücknahmeersuchen anderer Staaten zurückgewiesen. Begründet wurde dies damit, dass das nationale Aufnahmesystem komplett überlastet sei...
20.08.2026 Seit Tagen gibt es schon Gerangel zwischen der deutschen und der italienischen Regierung zum Dublin-Abschiebungen von Deutschland zurück nach Italien. Aktuell geht es um eine Abschiebung, prinzipiell um weitere, die durch GEAS möglich werden.
Nun erregt ein Fall Aufsehen, der nicht nur zeigt, wie populistische Entscheidungen der eigenen Innenpolitik schaden können, sondern auch, wie skrupellos das deutsche Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) seine Interessen durchzudrücken bereit ist. Es geht um eine junge Somalierin, die in den Abschiebeflieger gesetzt werden soll, weil ihr Erstland innerhalb der EU Italien ist. Bedacht wurde jedoch nicht, dass vorab mit dem Aufnahmeland kommuniziert werden muss. Auch gilt GEAS nicht rückwirkend; die Frau reiste bereits im März ein. (FR, Merkur)
Dagegen rechnet Italien auf, dass mehr als 42.000 Migranten mit deutscher Beteiligung nach Italien kamen (Rettungsschiffe, Hilfsorganisationen) und verlangt Kompensation.
Nach Angaben des italienischen Innenministeriums brachten deutsche Hilfsorganisationen seit Oktober 2022 rund 22.500 Migranten nach Italien. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum etwa 42.300 Menschen mit privaten Rettungsschiffen in italienischen Häfen an. Zählt man weitere 4500 Migranten auf Schiffen unter deutscher Flagge hinzu, führt Rom fast zwei Drittel aller Ankünfte auf eine Beteiligung Deutschlands zurück.
Innenminister Matteo Piantedosi hatte zuletzt gefordert, Deutschland müsse Italien in irgendeiner Form dafür entschädigen. ... berichtet. Erst dann könne über die nach den Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) vorgesehene Rücknahme von Migranten gesprochen werden. (WELT)
Gestern gab es einen telefonischen Austausch der Außenminister.
Nach einem Gespräch mit Johann Wadephul hat Italiens Außenminister mehr Kooperation angekündigt. Die Frage, ob Italien Geflüchtete zurücknehmen wird, ließ er offen.
Noch ist offen, wer sich durchsetzt. Über den Streit der Hardliner berichten zahlreiche Medien.
Für die Schutzsuchende, die im Mittelpunkt des Hinundher stand, gibt es jetzt Kirchenasyl, um in Sicherheit zu leben:
Stephan Reichel vom Verein „matteo – Kirche und Asyl e.V.“: „Wir haben die von ihrer Flucht schwer angeschlagene und verängstigte F., deren Familie mit Anerkennung und Asyl in Deutschland lebt, heute Mittag (Dienstag, K.T.) in einem Kirchenasyl in Nürnberg in Schutz genommen. F. wird so lange in unserem Schutz bleiben, bis Deutschland dem Wunsch Italiens nachkommt, die Überstellung endgültig abzusagen“. "Wir warten nun darauf, dass das BAMF auf den deutlichen Wunsch der italienischen Regierung hin die Abschiebung aufhebt.“ (FR, Merkur)
- Merkur 20.08.2026 Rettung vor Dobrindts Abschiebeflug nach Italien: Frau flüchtet ins bayerische Kirchenasyl
... Ein aktueller Fall nun zeigt, welche Folgen populistische Politik für die eigene Innenpolitik wie im Fall Meloni haben kann – und wie weit das deutsche Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) für die eigenen Interessen zu gehen bereit ist. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau aus Somalia, die abgeschoben werden soll, weil sie zuerst in Italien EU-Boden betreten hat. Dabei wurde offenbar versäumt, das Zielland vorab zu informieren – was eigentlich Voraussetzung ist. Hinzu kommt: Das GEAS gilt nicht rückwirkend, doch die Frau war bereits im März eingereist.
Rom ließ denn auch deutschen Alleingang nicht widerspruchslos geschehen: Italiens Innenminister Matteo Piantedosi stoppte den geplanten Abschiebeflug, wobei neben der Somalierin zwei weitere Personen betroffen waren. Die drei wären die ersten gewesen, die seit vier Jahren nach Italien überstellt worden wären – einem Land, in dem viele Geflüchtete ohne jede Unterstützung auf der Straße leben...
- FR 19.08.2026 von Katja Thorwarth Trotz Meloni-Veto: Dobrindt will Somalierin nach Italien abschieben – Frau flüchtet ins Kirchenasyl
Die Merz-Regierung will eine Somalierin nach Italien abschieben – und ignoriert dabei EU-Regeln und ein Meloni-Veto. Jetzt die Wende: Die Frau ist im Kirchenasyl.
... Doch Dobrindts Innenministerium scheint sich von der Aufregung im Nachbarland nicht beeindrucken zu lassen, denn wie Stephan Reichel vom Verein „matteo – Kirche und Asyl e.V.“ mitteilt, sei die Abschiebung der jungen Frau und anderer Betroffener nach Italien nicht gestoppt worden: „Die von der Zentralen Ausländerbehörde Unterfranken angekündigte Abschiebung“ sei bislang nicht widerrufen worden.
Wir warten nun darauf, dass das BAMF auf den deutlichen Wunsch der italienischen Regierung hin die Abschiebung aufhebt.“
Nach einem Gespräch mit Johann Wadephul hat Italiens Außenminister mehr Kooperation angekündigt. Die Frage, ob Italien Geflüchtete zurücknehmen wird, ließ er offen.
Deutschland und Italien wollen sich nach den Worten des italienischen Außenministers Antonio Tajani um eine engere Abstimmung bei dem Thema Migration bemühen. Beide Seiten seien sich einig über »die Notwendigkeit, einen maximalen Schutz an den europäischen Außengrenzen zu gewährleisten«, sagte Tajani nach einem Telefonat mit Außenminister Johann Wadephul (CDU).
Zur umstrittenen Frage, ob Italien Asylsuchende zurücknehmen muss, die über Italien in die EU kamen und anschließend nach Deutschland weitergereist sind, äußerte sich der Politiker nicht. Deutschland will solche Flüchtlinge nach den geltenden EU-Regeln wieder nach Italien zurückschicken. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni lehnt eine Aufnahme bislang jedoch ab...
- Merkur 19.08.2026 Italien fordert „Kompensation“ für 22.000 Migranten – Dobrindt-Ministerium bezieht Stellung
Der Streit um Abschiebungen zwischen Rom und Berlin verschärft sich: Melonis Innenminister fordert eine Gegenleistung für Migranten, die mithilfe deutscher Seenotretter nach Italien gelangt sind...
Der Konflikt zwischen Berlin und Rom in der Migrationspolitik erreicht eine neue Stufe. Italiens Innenminister Matteo Piantedosi fordert von Deutschland jetzt eine „Kompensation“ für illegale Migrantinnen und Migranten, die mithilfe deutscher NGOs in sein Land gelangten. Er untermauert diese Forderung mit Zahlen des italienischen Innenministeriums: Seit dem Amtsantritt von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im Oktober 2022 hätten deutsche NGO-Schiffe rund 22.500 Migranten in italienische Häfen gebracht.
Von insgesamt etwa 42.300 Menschen, die seit Melonis Amtsantritt mit privaten Rettungsschiffen in Italien ankamen, würde damit mehr als die Hälfte auf Schiffe deutscher Hilfsorganisationen entfallen, rechnet das Innenministerium in Italien vor. Weitere 4500 Bootsmigranten seien mit Schiffen anderer europäischer NGOs angekommen, deren Schiffe aber unter deutscher Flagge fuhren...
Welche Art von Kompensation dem Meloni-Minister von der deutschen Bundesregierung vorschwebt, ist bisher unklar. Es könnte aber darum gehen, Ankünfte mithilfe deutscher NGOs gegen von Deutschland geforderte Rücküberstellungen von Migranten nach Italien aufzurechnen.
Dies könnte zu einer neuen Belastungsprobe zwischen Berlin und Rom führen ...
- WELT 18.08.2026 Binnen vier Jahren Mehr als 22.000 Mittelmeer-Flüchtlinge erreichten Italien offenbar mit deutschen NGO-Schiffen
In der Debatte um den Umgang mit illegaler Migration in der EU erhöht Italien den Druck auf ...
Nach Angaben des italienischen Innenministeriums brachten deutsche Hilfsorganisationen seit Oktober 2022 rund 22.500 Migranten nach Italien. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum etwa 42.300 Menschen mit privaten Rettungsschiffen in italienischen Häfen an. Zählt man weitere 4500 Migranten auf Schiffen unter deutscher Flagge hinzu, führt Rom fast zwei Drittel aller Ankünfte auf eine Beteiligung Deutschlands zurück.
Innenminister Matteo Piantedosi hatte zuletzt gefordert, Deutschland müsse Italien in irgendeiner Form dafür entschädigen. ... berichtet. Erst dann könne über die nach den Regeln des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) vorgesehene Rücknahme von Migranten gesprochen werden.
Deutschland will bis Mitte der Woche zunächst drei Migranten nach Italien überstellen, die dort erstmals EU-Boden betreten hatten und erst anschließend in Deutschland einen Asylantrag stellten. Die italienische Regierung hat jedoch bereits signalisiert, die Betroffenen womöglich nicht einreisen zu lassen und sie unmittelbar wieder nach Deutschland zurückzuschicken.
Scharfe Kritik an den Hilfsorganisationen übte erneut Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini. Der Lega-Politiker forderte die Regierungen in Deutschland und Spanien auf, ihre NGOs „zurückzupfeifen“, damit diese nicht länger „illegale Einwanderer“ an die italienische Küste brächten.
- FR 15.08.2026 Blamage für Dobrindt: Italien stoppt Abschiebungen aus Deutschland – Meloni mit Eigentor
München – Am 12. Juni 2026 trat das EU‑Asylsystem (GEAS) in Kraft, das die Regeln für Asylverfahren und Schutzstandards in allen Mitgliedstaaten vereinheitlicht, aber gleichsam das Recht auf Schutz massiv einschränkt. Das heißt unter anderem, dass Geflüchtete in das Erstaufnahmeland abgeschoben werden dürfen, und zwar ohne vorheriges Asylverfahren. Das betrifft in der Regel Italien oder Griechenland.
Mitverantwortlich für diese Verschärfung ist auch die italienische Ministerpräsidentin Georgia Meloni von der postfaschistischen Fratelli d’Italia – und ihr fällt das jetzt auf die Füße. Denn ein Fall erregt aktuell die Aufmerksamkeit italienischer Medien und könnte gar für Spannungen zwischen Berlin und Rom sorgen. Das Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) wollte eine junge Somalierin in den Abschiebeflieger setzen, weil ihr Erstland innerhalb der EU Italien ist. Nur hat er zwei Dinge nicht bedacht: Zum einen muss vorab mit dem Aufnahmeland über die Abschiebung kommuniziert werden; zum anderen gilt GEAS nicht rückwirkend; die Frau reiste bereits im März ein.